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Attacke auf See : Israelischer Angriff auf Hilfskonvoi: Deutsche nicht unter den Opfern

Israels Armee hat Schiffe mit Hilfsgütern für Gaza gestürmt. Dabei gab es viele Tote und Verletzte. Nach Tagesspiegel-Informationen sind die Deutschen an Bord, darunter drei Linkspartei-Politiker, nicht unter den Opfern.

Nach dem Angriff israelischer Streitkräfte auf ein türkisches Hilfsschiff für Gaza demonstrieren Berliner Türken und andere Muslime gegen "israelischen Staatsterror".Weitere Bilder anzeigen
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08.06.2010 13:51Nach dem Angriff israelischer Streitkräfte auf ein türkisches Hilfsschiff für Gaza demonstrieren Berliner Türken und andere...

Bei der Stürmung der internationalen Gaza-„Solidaritätsflotte“ durch das israelische Militär sind offenbar 19 Menschen getötet worden. Das berichtet das israelische Fernsehen. Demnach hat es zudem 26 Verletzte gegeben. Nach Angaben der Organisation „Free Gaza“ wurden sogar bis zu 50 Menschen verletzt. Die Schiffe hatten sich nach Angaben von „Free Gaza“-Sprecherin Audrey Bomse ganz klar in internationalen Gewässern befunden.

Nach Informationen des Tagesspiegels haben die fünf Deutschen, die sich auf dem türkischen Schiff "Mavi Marmara" der Gaza-Flottille befanden, den israelischen Militäreinsatz unbeschadet überstanden. In die blutigen Auseinandersetzungen mit den Soldaten waren sie offenkundig nicht verwickelt. Zu den fünf Deutschen zählen drei Politiker der Linkspartei, darunter die Bundestagsabgeordneten Inge Höger und Annette Groth. Der dritte ist Norman Paech, der von 2005 bis 2009 für die Linke im Bundestag saß. Die drei zählen zum ultralinken und zumindest israel-skeptischen Flügel der Partei. Paech und Höger blieben im November 2008, kurz vor dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht, demonstrativ einer Abstimmung des Bundestags zu einem Antrag über eine verstärkte Bekämpfung des Antisemitismus fern. 

In der Flottille hatten die Deutschen zunächst ein anderes Schiff bestiegen, wechselten dann aber wegen technischer Probleme kurzfristig auf das türkische. Neben den drei Politikern der Linkspartei befanden sich auf diesem Schiff auch Matthias Jochheim, stellvertretener Vorsitzender der deutschen Sektion der "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW)" sowie Nader El-Sakka, Vorsitzender der Palästinensischen Gemeinde Hamburg.

Groths Bundestagsbüro teilte gestern zunächst auf Anfrage mit, noch keinen Kontakt mit der Abgeordneten bekommen zu haben. Groth sei über das Handy nicht zu erreichen. Ein Kontakt sei frühestens in der Nacht herzustellen. Ebenfalls auf dem Schiff soll der schwedische Krimiautor Henning Mankell sein.

Die Bundesregierung zeigte sich „bestürzt“ über die israelische Aktion. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verlangte am Montag in einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman eine „umfassende Untersuchung“, wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin mitteilte. Das Schicksal von fünf Bundesbürgern, die mit der „Solidaritätsflotte“ unterwegs waren, müsse schnellstmöglich geklärt werden.

Hunderte Elitesoldaten waren den Angaben zufolge im Morgengrauen um 4:30 Uhr von Helikoptern und Schnellbooten an Bord des türkischen Schiffes IHH gekommen. Nach Angaben des israelischen Armeerundfunks sollen die Aktivisten versucht haben, den Soldaten die Waffen zu entreißen. Der israelische Privatsender „10“ berichtete, die Sicherheitskräfte hätten das Feuer eröffnet, nachdem einige Menschen an Bord sie mit Äxten und Messern angegriffen hätten.

Die Boote wurden in den Hafen von Haifa geschleppt. „Israelische Quellen“ gaben unter der Bedingung, ihre Namen nicht zu nennen, an, dass die Boote der „Solidaritätsflotte“ die Wahl gehabt hätten umzudrehen oder ihre Hilfsgüter im Hafen von Aschdod zu löschen. Die Hamas bezeichnete die Übernahme als barbarischen Akt.

Die Türkei hat inzwischen ihren Botschafter aus Israel abberufen. Außerdem annulliere die Türkei drei Militärabkommen mit Israel, sagte der türkische Vizeministerpräsident Bülent Arinc in Ankara. Der israelische Stab zur Terrorbekämpfung rief Israelis dazu auf, nicht in die Türkei zu reisen. Israelische Touristen, die sich bereits dort aufhielten, sollten
möglichst in ihren Hotels bleiben und Menschenansammlungen meiden, riet der Stab. In der gegenwärtigen angespannten Situation seien „gewaltsame Ausbrüche gegen Israelis in der Türkei“ denkbar, hieß es in der Mitteilung.

Nach den ersten Berichten über den blutigen Zwischenfall auf See war es am Morgen vor dem israelischen Generalkonsulat in Istanbul zu wütenden Protesten gekommen. Einige der etwa hundert Demonstranten versuchten, das Gelände zu stürmen, wurden jedoch von der Polizei gestoppt.

Israel hatte in den vergangenen Tagen mehrfach angekündigt, die rund 700 pro-palästinensischen Aktivisten unter allen Umständen daran zu hindern, rund 10.000 Tonnen Hilfsgüter direkt in den Gazastreifen zu liefern. Israel hat das kleine Palästinensergebiet am Mittelmeer nach Machtübernahme der radikalen Hamas-Organisation im Juni vor drei Jahren nahezu vollständig von der Außenwelt abgeriegelt. (fan/sf/AFP/dpa)

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