Politik : Attacken gegen die Favoritin

Präsidentschafts-Aspirantin Hillary Clinton zeigt bei TV-Debatte Schwächen

Christoph von Marschall[Washington]

Es war die siebte TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber im US-Vorwahlkampf. Und plötzlich ändert sich die Tonlage. Alle prügelten am Dienstagabend auf Hillary Clinton ein, die haushohe Favoritin, und im Zuge der zwei Stunden zeigt sie Unsicherheiten.

Bisher waren die Demokraten nett miteinander umgegangen. Niemand wollte die Front gegen George W. Bush aufbrechen, die den Demokraten den Sieg bei der Kongresswahl 2006 beschert hatte. Doch nun haben sich die Vorwahlen, in denen die Demokraten entscheiden, wer 2008 für sie antritt, noch weiter nach vorn verschoben. Am 3. Januar macht Iowa den Auftakt, so früh wie noch nie. Nur noch zwei Monate und drei Tage bleiben Clintons schärfsten Rivalen Barack Obama und John Edwards, um ihr die Nominierung streitig zu machen.

Es ist Zeit zum Angriff, hatte Obama, der junge schwarze Senator aus Illinois, am Montag als Parole in der „New York Times“ ausgegeben. Das ist ein Risiko für ihn, bisher trat er als der große Versöhner auf. Hillary wechsle ihre Positionen, wie es gerade passe, eröffnet Obama am Dienstagabend die Debatte in Philadelphia. Er argumentiert, dass Hillary Clinton für den Irakkrieg gestimmt hat, ihn aber jetzt einen Fehler nennt – ohne allerdings auch ihre Stimme für den Krieg als einen Irrtum zu bezeichnen. Sie behaupte, sie setze im Atomstreit mit dem Iran auf Diplomatie, fährt Obama fort. Allerdings stimme Hillary als einzige Demokratin für eine Resolution, die Teherans Revolutionäre Garden zu einer terroristischen Vereinigung erkläre – woraus Bush einen Kriegsgrund ableiten könne. Hillary Clinton wolle die gewohnte Politik fortsetzen, behauptet Obama. Er dagegen stehe für einen Wandel in Stil und System.

John Edwards, der Drittplatzierte in den Umfragen, will Obama spürbar übertrumpfen in der Attacke auf Clinton. Es ist seine einzige Chance, beide zu überholen. Er nennt Hillary „doppelzüngig“, sie klinge „genau wie Bush und Cheney“.

Anfangs pariert Hillary die Attacken souverän. Die Republikaner hätten offenbar gar nicht gemerkt, dass sie wie Bush rede, spottet sie. Auch für die Konservativen sei sie das Hauptangriffsziel. Das zeige, wie überzeugend sie demokratische Positionen vertrete. Doch da kontert Obama: Clinton sei die Wunschkandidatin der Republikaner; die rechneten sich gegen sie bessere Chancen aus.

Hillary wirkt überrascht über die Härte der Angriffe. Am Ende der 120 Minuten gibt sie gleich zwei neue Beispiele für den Vorwurf der Doppelzüngigkeit. Sie sagt, sie habe nichts dagegen, dass die Akten aus ihren acht Jahren als First Lady veröffentlicht werden; dies sei die Erfahrung, die sie zur Präsidentin prädestiniere. Doch Moderator Tim Russert zieht einen Brief heraus, in dem Hillary Clinton fordert, die Unterlagen sollten bis 2012 verschlossen bleiben. Dann äußert sie Widersprüchliches in der Frage, ob illegale Einwanderer das Recht auf einen US-Führerschein haben sollen. Erst sagt sie: Ja. Dann jedoch: Nein. Das Rennen ist nach diesem Abend wieder offen.

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