Attentäter Breivik : Anwalt hält seinen Mandanten für "verrückt"

Anders Behring Breivik hat nach eigener Aussage Verbündete im Ausland. Zudem glaubt der Mann, der in Norwegen fast 80 Menschen getötet hat, dass er mit den Anschlägen einen 60-jährigen Krieg ausgelöst hat.

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Vor den Nordischen Botschaften in Berlin haben Menschen Blumen niedergelegt, um ihre Anteilnahme zu zeigen.
Vor den Nordischen Botschaften in Berlin haben Menschen Blumen niedergelegt, um ihre Anteilnahme zu zeigen.Foto: dpa

Der mutmaßliche Attentäter von Norwegen will nach Angaben seines Verteidigers Kontakte zu Gleichgesinnten im Ausland gehabt haben. Neben zwei „Zellen“ in Norwegen gebe es weitere im Ausland, zitierte Geir Lippestad am Dienstag seinen Mandanten Anders Behring Breivik. Nach Angaben der Kriminalpolizei hat Breivik Forderungen an seine Aussagebereitschaft über diese „Zellen“ geknüpft, die teils „unmöglich zu erfüllen“ seien.

Dem Verteidiger zufolge deutet alles darauf hin, dass Breivik „verrückt“ ist. Psychiater sollten nun seinen Geisteszustand untersuchen. Auf die Frage nach den Folgen erklärte der Anwalt: „Er kann nicht in einem Gefängnis bestraft werden.“ Vor den Anschlägen mit mindestens 76 Toten am Freitag habe er zudem Drogen genommen, um sich „stark“ zu machen.

Breiviks Bild der Realität sei „sehr schwierig zu erklären“, sagte Lippestad. Der 32-Jährige glaube, im Krieg zu sein. „Und er glaubt, wenn du in einem Krieg bist, kannst du Dinge wie diese machen, ohne dich schuldig zu bekennen.“ Breivik habe angenommen, selbst getötet zu werden. Er sei überrascht gewesen, dass er sein Ziel erreicht habe. Er habe kein Mitleid mit den Opfern und hasse alle, die an Demokratie glaubten.

Die Polizei geht nach eigenen Angaben Hinweisen auf mögliche Komplizen nach. Einzelheiten .Von zwei weiteren gewaltbereiten Zellen in Norwegen hatte Breivik bei seiner Anhörung vor Gericht am Montag gesprochen. Norwegens Justiz prüft derzeit, den 32-Jährigen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuklagenum eine längere Haft verhängen zu können. Die Polizei beruft sich bei ihren Ermittlungen bis auf einen Terrorparagraen. Bei einer Verurteilung drohen Breivik maximal 21 Jahre Haft. Vielen Norwegern erscheint das zu kurz, auch wenn die Maximalstrafe bei anhaltender Gefährlichkeit des Täters nachträglich mehrfach verlängert werden kann. Bei einer solchen Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit könnte von vorneherein eine Höchststrafe von 30 Jahren verhängt werden.

Deutsche Muslime haben nach dem Massaker in Norwegen schärfere Maßnahmen gegen Rassismus und Rechtsextremismus gefordert. Beides sei Humus für solche Taten, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek. Der Münchner Imam Benjamin Idriz forderte besonders die Beobachtung von Islamhass im Internet, zum Beispiel der Website „Politically incorrect“. (Tsp/AFP)

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