Politik : Attentäter richten Blutbad auf jüdischem Markt in Jerusalem an

13 Menschen bei Bombenexplosionen getötet / Premier Netanjahu macht Arafat mitverantwortlich JERUSALEM (rtr/AFP).Bei einem Bombenanschlag mitten im jüdischen Teil Jerusalems sind am Mittwoch 13 Menschen getötet worden, darunter die beiden Selbstmord-Attentäter.Nach Polizeiangaben zündeten die beiden Araber auf einem belebten Markt in Sekundenabständen zwei Bomben.157 Menschen erlitten teilweise schwerste Verletzungen.Ministerpräsident Netanjahu erhob schwere Vorwürfe gegen Palästinenser-Präsident Jassir Arafat und machte ihn für das Blutbad mitverantwortlich.International wurde das Attentat als Anschlag auf den Friedensprozeß verurteilt.US-Vermittler Dennis Ross sagte seine Nahost-Reise ab. Der Anschlag auf dem Mahane-Jehuda-Markt, eine der geschäftigsten Gegenden der israelischen Hauptstadt, ereignete sich wenige Minuten nach Mittag.Die beiden Attentäter betraten nach den Worten von Israels Polizeichef Assaf Hefez den Markt offenbar in einem Abstand von etwa 40 Metern.Hefez sprach von einer bislang beispiellosen Koordination, um möglichst großen Schaden anzurichten.Nach Erkenntnissen des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet hatten die Attentäter sich als Geschäftsleute getarnt und die beiden 10-Kilogramm-Bomben in Aktenkoffern auf den Markt geschmuggelt.Zunächst bekannte sich keine Organisation zu dem Anschlag.Am Tatort bot sich nach dem Anschlag ein Bild der Verwüstung.Schwer verletzte Menschen lagen blutüberströmt inmitten zerstörter Marktstände.Sanitäter bargen Leichen und Verletzte. Netanjahu erklärte nach einem Besuch bei Verletzten, Arafat habe bislang nichts gegen den Terrorismus unternommen, obwohl er sich dazu verpflichtet habe.Zuvor hatte Netanjahu die Beileidsbekundungen Arafats brüsk zurückgewiesen.Aus dem Anruf Arafats habe sich "ein hartes, sehr hartes Gespräch" entwickelt, sagte ein Sprecher des Ministerpräsidenten.Der konservative Politiker war im Mai vergangenen Jahres als Regierungschef mit dem Versprechen angetreten, mit einer Politik der Härte im Umgang mit den Palästinensern mehr Sicherheit zu erreichen.US-Präsident Clinton kündigte an, daß er seinen Vermittler Ross erst nach der Trauerzeit in den Nahen Osten schicken werde.Ross hatte ab dem heutigen Donnerstag einen neuen Vermittlungsversuch unternehmen sollen. Der israelische Präsident Eser Weizman brachte den Anschlag mit dem jüngsten jüdischen Bauprojekt im arabischen Ostteil der Stadt in Verbindung.Vor Journalisten fügte er hinzu: "Wir befinden uns mit Ägypten, Jordanien und den Palästinensern in einem Boot, das zum Frieden oder zum Krieg führen kann.Die Lage kann schnell außer Kontrolle geraten.Wir müssen das Ziel des Friedens im Auge behalten, auch wenn es manchmal sehr schwierig ist."

GroKo, Jamaika oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben