Attentäter von Oslo : Breiviks Kontakte zu englischen Ultrarechten

Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik soll mehrfach an Demonstrationen der ultrarechten „English Defence League“ (EDL) in Großbritannien teilgenommen haben, unter anderem im März 2010 in Newcastle.

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LondonLaut einem Sprecher des Antifaschisten-Magazins „Searchlight“ war die EDL Breiviks „politische und ideologische Inspiration“. Ein anonym im „Daily Telegraph“ zitiertes EDL-Mitglied bestätigte, Breivik sei aus Anlass eines Besuchs von Geert Wilders in London gewesen.

Offen bleibt hingegen, ob Breivik an einem Aufmarsch der EDL im Februar 2011 in Luton teilnahm, zu dem auch deutsche Islamfeinde gekommen waren. Nach Informationen des Tagesspiegels prüfen die deutschen Sicherheitsbehörden intensiv, ob Breivik mit hiesigen Ultrarechten Kontakte unterhielt. Ein Hinweis, Breivik sei im Februar 2010 in Dresden gewesen, um sich am rechtsextremen „Gedenken“ für die Opfer der Bombenangriffe auf die Stadt 1945 zu beteiligen, hat sich bislang nicht bestätigt.

Die EDL hat sich angesichts der wachsenden Kritik am Dienstag in einer weiteren Stellungnahme von Breivik distanziert. EDL-Anführer Stephen Lennon betonte in Fernsehinterviews, er habe den norwegischen Massenmörder nie getroffen und wisse von keinen Kontakten zu seiner Partei.

In Breiviks 1500-Seiten-Manifest werden die englischen Nationalistenorganisationen BNP (Britische Nationalpartei) und die EDL öfter erwähnt als andere „Anti-Dschihadisten“-Gruppen in Europa. Aufsehen erregte besonders Breiviks Bericht von der „Gründungssitzung“ der mysteriösen „Tempelritter“, die 2002 in London stattgefunden haben soll. „Ich war der Jüngste, damals 23 Jahre“, schreibt er. „Damals habe ich nicht wirklich begriffen, wie privilegiert ich war, in der Gesellschaft einiger der brillantesten politischen und militärischen Taktiker Europas gewesen zu sein.“ Gesondert erwähnt Breivik „einen Engländer, der mein Mentor wurde“. Dieser habe auch „das ursprüngliche Fundament“ seines Manifests verfasst.

EDL-Chef Stephen Lennon dagegen zitierte Passagen aus Breiviks Manifest, in der die EDL kritisiert wird, weil sie „immer noch an das demokratische System glaube“. Breivik und die EDL seien „ideologisch meilenweit voneinander entfernt“, sagte Lennon. Er verurteilte das Massaker und sprach von einer „Schmutzkampagne“ gegen die EDL. Der wegen Anstiftung zu Unruhe zu einem Jahr Sozialdienst verurteilte Lennon warnte gleichzeitig, ein Massaker wie in Norwegen könnte auch in Großbritannien passieren – „wenn die Wut der Menschen weiter unter den Teppich gekehrt wird“. (mit fan)

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