Politik : Attentat auf Ausländer in Kabul Erneut Ausschreitungen gegen Mohammed-Film

Kabul/Kairo - Bei einem Anschlag wegen des islamfeindlichen Mohammed-Videos sind am Dienstag in der afghanischen Hauptstadt Kabul zwölf Menschen getötet worden. Ein Selbstmordattentäter, wahrscheinlich eine Frau, hatte ein mit Sprengstoff beladenes Auto neben einem Minibus auf der Straße zum Flughafen in die Luft gesprengt. Unter den Opfern waren acht Südafrikaner und ein Kirgise, die für eine private Firma arbeiteten.

Die radikal-islamische Hesb-e-Islami (HIG) des Ex-Premiers Gulbuddin Hekmatjar übernahm die Verantwortung für den Anschlag . HIG-Sprecher Subair Seddiki sagte, es habe sich um einen Vergeltungsanschlag für das islamfeindliche Video gehandelt. Hesb-e-Islami „nimmt alle ausländischen Truppen ins Visier, und alle Zivilisten, die nach Afghanistan gekommen sind, um ihnen zu helfen“, erklärte die Gruppe. Hekmatjar war einst Verbündeter der USA, mittlerweile betrachtet Washington ihn als Terroristen.

Die Terrorgruppe Al Qaida im Maghreb forderte ihre Anhänger auf, dem Beispiel der Angreifer von Bengasi zu folgen, die beim Sturm auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt den Botschafter der USA , Christopher Stevens, und drei weitere US-Diplomaten getötet hatten. Wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte Intel Center berichtete, stammt die Botschaft bereits vom Samstag. Die Gruppe drohte mit Anschlägen in Algerien, Tunesien, Marokko und Mauretanien.

Unterdessen wurde bekannt, dass nach dem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi einige Libyer offenbar versuchten, den schwer verletzten amerikanischen Botschafter Stevens zu retten. Sie brachten ihn in ein Krankenhaus. Das berichteten Augenzeugen der Proteste, und dies scheint auch ein am Montag aufgetauchtes Video zu belegen.

Die Proteste gegen das islamfeindliche Video breiteten sich weiter aus. In Indonesien demonstrierten rund 200 Menschen vor dem US-Konsulat in Medan auf Sumatra. In Thailand demonstrierten etwa 400 Menschen vor der US-Botschaft und skandierten „zerstört Amerika“.

Bereits am Montag hatte der Chef der radikalislamischen Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, vor zehntausenden Anhängern in der libanesischen Hauptstadt Beirut zu weiteren Protesten gegen den Film aufgerufen. „Dies ist der Beginn einer ernsthaften Bewegung, die zur Verteidigung des Propheten Gottes überall in der muslimischen Welt weitergehen muss“, sagte Nasrallah, der sich aus Angst vor Attentaten nur noch selten in der Öffentlichkeit zeigt. dpa/dapd

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