Attentat auf dänische Botschaft : Pakistan macht Taliban für Anschlag verantwortlich

Der Selbstmordanschlag auf die dänische Botschaft in Islamabad geht nach Erkenntnissen der pakistanischen Sicherheitsbehörden auf das Konto der Taliban. Bei dem Anschlag am Montag waren laut Regierungsangaben sechs Menschen gestorben.

Islamabad
Pakistanische Sicherheitsbeamten durchsuchen die Trümmer vor der dänischen Botschaft. -Foto: AFP

Islamabad/KopenhagenNach dem schweren Bombenanschlag auf die dänische Botschaft in Islamabad prüfen die pakistanischen Behörden Hinweise auf eine Verwicklung der radikalislamischen Taliban in das Attentat. Wie am Dienstag aus Sicherheitskreisen verlautete, gibt es zahlreiche Parallelen zu Anschlägen im unruhigen Nordwesten des Landes, die in der Vergangenheit von den Aufständischen verübt worden seien. Beweise gebe es aber bislang noch nicht.

Die Vorbereitungen zu dem Attentat vom Montag seien "minuziös, ähnlich wie bei früheren Anschlägen der Taliban" gewesen, sagte ein Sicherheitsbeamter am Dienstag. Der Anschlag könne nach dem erneuten Abdruck der Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen im Februar "Teil der weltweiten Entrüstung in der islamischen Welt" sein, sagte ein Regierungsvertreter. Bei dem Anschlag am Montag waren sechs Menschen gestorben. In Dänemark wurde für die Opfer eine Gedenkminute abgehalten.

Gefälschte Nummernschilder

Die Bombe sei aus dem Sprengstofftyp gebaut gewesen, der bereits bei anderen mutmaßlichen Taliban-Anschlägen zum Einsatz gekommen sei, sagte der Sicherheitsbeamter weiter. Seinen Angaben zufolge wurde der Anschlag mit einem gestohlenen Auto mit gefälschtem Diplomaten-Nummernschild verübt. Die Ermittler gehen davon aus, dass Taliban aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet für den Anschlag verantwortlich sind.

Nach Angaben des Sicherheitsbeamten handelt es sich bei dem Selbstmordattentat um eine "einmalige Attacke, die kaum Einfluss auf die bestehenden Verhandlungen zwischen den Taliban und den Behörden hat". Der Anschlag werde jetzt von Polizei- und Sicherheitsbehörden untersucht.

Friedensgespräche zwischen Pakistan und Taliban

Seit einigen Wochen laufen Friedensverhandlungen zwischen der neuen pakistanischen Regierung und den Taliban-Rebellen in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan. Danach soll das Militär aus einigen Regionen abgezogen werden. Im Gegenzug sollen islamistische Aufständische die Sicherheitskräfte nicht mehr angreifen. Mit dem Abkommen will die Regierung eine monatelange Welle von Selbstmordanschlägen stoppen. Ein Sprecher der Taliban in Pakistan äußerte sich am Dienstag zunächst nicht zu dem Anschlag auf die Botschaft.

Der dänische Außenminister Per Stig Moeller hielt mit seinem Mitarbeitern im Außenministerium in Kopenhagen eine Schweigeminute ab. Die weiß-rote dänische Flagge wurde auf Halbmast gesetzt. "Der Terror wird besiegt", hieß es in einer Mitteilung. "Wir werden nicht aufgeben." Keiner der vier gebürtigen Dänen, die sich derzeit an der Botschaft in Islamabad aufhalten, wurde getötet, jedoch ein Däne pakistanischer Abstammung. Ursprünglich war von acht Getöteten die Rede gewesen.

UN-Sicherheitsrat fordert internationale Zusammenarbeit

Auch der UN-Sicherheitsrat kritisierte den Selbstmordanschlag auf die dänische Botschaft in Pakistan. Das Gremium verurteile "das terroristische Attentat aufs Schärfste", hieß es in einer am Montag (Ortszeit) einstimmig in New York verabschiedeten Erklärung. Der Sicherheitsrat forderte darin alle Staaten dazu auf, mit Pakistan zusammenzuarbeiten, um "Täter, Hintermänner und Geldgeber dieses verwerflichen Anschlags" vor Gericht zu bringen. Der Terrorismus sei "in all seinen Formen" eine der größten Bedrohungen für den Frieden und die internationale Sicherheit, mahnte das Gremium.

Die Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen hatten in einigen muslimischen Ländern zu gewaltsamen Protesten und Drohungen gegen dänische Einrichtungen geführt. Das Terrornetzwerk Al-Qaida rief zudem zu Angriffen auf dänische Ziele auf. (iba/AFP)

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