Politik : Attentat auf Markt geplant

Angeklagter im Frankfurter Islamisten-Prozess legt Geständnis ab

Frank Jansen

Frankfurt/Berlin. Überraschung im Frankfurter Islamisten-Prozess: Kurz vor dem Abschluss des Verfahrens hat einer der vier Angeklagten zugegeben, dass die Gruppe im Dezember 2000 einen Anschlag auf den von vielen Menschen besuchten Straßburger Weihnachtsmarkt geplant hatte. Der Algerier Djillali Benali, der sich zu Beginn der Hauptverhandlung noch Aeurobui Beandali nannte, bestätigte am Donnerstag vor dem Frankfurter Oberlandesgericht den Hauptvorwurf der Bundesanwaltschaft. „Ich gebe zu, was mir vorgeworfen wird, und möchte mich dafür entschuldigen“, sagte Benali. Er sei „sehr glücklich“, dass kein Blut vergossen wurde. Benali hat im April am zweiten Prozesstag als erster Angeklagter ausgesagt und behauptet, in Straßburg sollte „nur“ die große Synagoge gesprengt werden – zu einem Zeitpunkt, an dem sich niemand dort aufgehalten hätte. Zwei Angeklagte schlossen sich dieser Version später an.

Die zwei Vertreter der Bundesanwaltschaft blieben jedoch bei der Anklage. Vor einer Woche forderten sie in ihrem Plädoyer hohe Haftstrafen wegen Verabredung zum Mord und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags. Als Strafmaß für Benali und den Mitangeklagten Lamine Maroni nannte Oberstaatsanwalt Volker Brinkmann je zehn Jahre Haft. Fouhad Sabour soll für elfeinhalb Jahre hinter Gitter, der mutmaßliche Anführer der Terrorzelle, Salim Boukhari, für zwölfeinhalb Jahre. Benalis Verteidiger plädierte am Donnerstag und erklärte sich im Namen seines Mandanten mit den geforderten zehn Jahren Haft einverstanden.

Beamte von Bundeskriminalamt und hessischer Polizei hatten die vier Algerier an den Weihnachtstagen des Jahres 2000 in Frankfurt festgenommen. Die Islamisten waren im Besitz von Maschinenpistolen, weiteren Waffen und Chemikalien, mit denen ein Sprengsatz hergestellt werden sollte. Die Beamten fanden auch ein Video. Salim Boukhari und Fouhad Sabour hatten am 23. Dezember 2000 bei einer Erkundungsfahrt den Weihnachtsmarkt vor dem Straßburger Münster gefilmt. In dem Video ist die Stimme Boukharis zu hören: „Da sind die Feinde Gottes, sie werden in der Hölle schmoren“, sagte der Islamist zu den Bildern, auf denen der enorme Besucherandrang zum Weihnachtsmarkt zu sehen ist. Laut Bundesanwaltschaft wollte die Terrorgruppe, die Kontakte zu Al Qaida unterhalten haben soll, einen mit Sprengstoff gefüllten Schnellkochtopf an einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt abstellen und funkgesteuert zur Explosion bringen.

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