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Attentat auf Republikaner-Abgeordnete in Virginia : In den USA geht die Furcht vor politischer Gewalt um

Nach Schüssen auf den Republikaner Stephen Scalise ruft US-Präsident Trump zur Besonnenheit auf - ungewohnte Töne. Manche fürchten schon einen Bürgerkrieg.

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Nach der Schießerei in Alexandria untersucht die Polizei den Tatort. Unter anderem wurde dabei ein republikanischer Abgeordneter verletzt.
Nach der Schießerei in Alexandria untersucht die Polizei den Tatort. Unter anderem wurde dabei ein republikanischer Abgeordneter...Foto: AFP

An seinem 71. Geburtstag zeigte sich Donald Trump den Amerikanern am Mittwoch in einer ungewohnten Rolle. Nach dem Schusswaffenangriff eines radikalen Regierungsgegners auf Politiker der Republikaner verzichtete der Präsident auf die scharfe parteipolitische Rhetorik, die man sonst von ihm gewohnt ist. Vielmehr rief Trump seine Landsleute zu Ruhe, Besonnenheit und Einheit auf. Nicht alle Trump-Anhänger legen nach den Schüssen auf die Republikaner so viel Zurückhaltung an den Tag: Einige sprechen von den ersten Schüssen in einem neuen amerikanischen Bürgerkrieg.

James Hodgkinson, ein 66-jähriger pensionierter Immobiliengutachter aus Belleville im Bundesstaat Illinois, war morgens um sieben Uhr an einem Baseball-Feld in Alexandia südlich von Washington aufgetaucht. Auf dem Feld trainierten republikanische Abgeordnete, darunter Stephen Scalise, als Fraktionsgeschäftsführer der Mehrheitspartei im Repräsentantenhaus einer der ranghöchsten Politiker seiner Partei in Washington, für ein Wohltätigkeitsspiel gegen die Demokraten.

Schütze verletzte Scalise und vier weitere Menschen

Wie der Abgeordnete Ron DeSantis später berichtete, fragte Hodgkinson noch, ob auf dem Feld republikanische oder demokratische Politiker trainierten. Kurz darauf eröffnete er das Feuer aus einem Sturmgewehr und verletzte dabei Scalise sowie vier weitere Menschen, bevor er von Leibwächtern der Politiker und herbeigerufenen Polizisten selbst getroffen wurde.

Hodgkinson starb wenig später im Krankenhaus. Keines seiner Opfer wurde lebensgefährlich verletzt, doch der Senator Rand Paul und andere Beobachter sind sicher, dass Hodgkinson so viele Menschen wie möglich töten wollte: Die Sicherheitskräfte hätten in Alexandria ein Massaker verhindert, erklärte Rand.

Täter hatte Hasskommentare gegen Trump auf Facebook veröffentlicht

Schnell stellte sich heraus, dass Hodgkinson seit langem einen Groll auf Trump und die Republikaner hegte. „Trump ist ein Verräter“, schrieb er auf Facebook. „Trump hat unsere Demokratie zerstört. Es ist an der Zeit, Trump und Co. zu zerstören“. Im Wahlkampf des vergangenen Jahres engagierte sich Hodgkinson für den Linksausleger der Demokraten, Bernie Sanders. Die Lokalzeitung „Belleville News-Democrat“ meldete, Hodgkinson habe mehreren regierungskritischen Vereinen angehört, darunter einem mit dem Namen „Macht Schluss mit der Republikanischen Partei“.

Trump hätte also durchaus versuchen können, parteipolitisches Kapital aus der Schießerei zu schlagen. Viele Anhänger des Präsidenten taten am Mittwoch genau das. Noch während die Ärzte in den Krankenhäusern die Schussverletzungen der Opfer behandelten, begann eine bittere politische Auseinandersetzung, in der sich der Hass von Gegnern und Anhängern von Präsident Donald Trump Bahn brach.

„Anti-Trump-Hysterie macht Leute zu Mördern“, lautete der Kommentar eines Anhängers des Präsidenten. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Republikaner ebenfalls zu den Waffen griffen, schrieb ein anderer. Von den ersten Schüssen eines neuen Bürgerkrieges war in einem weiteren Kommentar die Rede.

Trump bewahrte am Mittwoch die Ruhe

Schon vor der Schießerei in Alexandria hatten Gefolgsleute des Präsidenten beklagt, liberale und linke Kreise im Land gingen in ihrer Opposition gegen Trump zu weit. Die Komikerin Kathy Griffin ließ sich mit einer blutverschmierten Trump-Maske abbilden, die so aussah, als sei der Präsident gerade enthauptet worden. In New York sorgt derzeit eine Inszenierung des Shakespeare-Dramas „Julius Cäsar“ für Aufregung, weil die Titelfigur aussieht wie Trump: In Shakespeares Stück wird Cäsar ermordet.

Auch Rechtsradikale in den USA haben in jüngster Zeit mit tödlicher Gewalt für Schlagzeilen gesorgt. Im Mai erstach ein Rechtsextremist in Oregon zwei Männer, nachdem diese einige muslimische Frauen gegen Hassparolen des Täters in Schutz genommen hatten. Vor Gericht bezeichnete sich der Gewalttäter als „Patriot“. Der Fall löste eine Debatte darüber aus, ob sich Nationalisten von Trump zu Gewaltaktionen animiert fühlen.

Trotz des hitzigen Streits bewahrte Trump am Mittwoch die Ruhe – ein Charakterzug, der nicht immer bei ihm zu beobachten ist. Alle Amerikaner sollten bedenken, „dass wir am stärksten sind, wenn wir vereint sind und wenn wir zum Wohle aller zusammenarbeiten“, erklärte er.

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