Politik : Attentat in Belgrad: Tote und Verletzte bei Anschlag auf Bus mit Serben im Kosovo

sti/rai

Bei einem der blutigsten Anschläge im Kosovo seit dem Ende des Krieges um die mehrheitlich von Albanern bewohnte serbische Provinz sind am Freitag mindestens sieben Serben getötet und rund 40 verletzt worden, zehn davon schwer. Wie Sprecher der internationalen Schutztruppe Kfor mitteilten, wurde ein mit Serben besetzter Bus vermutlich mit einer ferngezündeten Bombe in die Luft gesprengt. Brigadegeneral Rob Fry, Kommandeur der britischen Kfor-Truppen in dem Gebiet, sprach von skrupellosem Mord. Nato-Generalsekretär George Robertson sagte dazu: "Die Nato hat nicht ihre Luftangriffe geführt, um ethnische Säuberungen einer Gruppe durch Angriffe und Einschüchterungen Seitens einer anderen Volksgruppe ersetzt zu sehen. Der EU-Beauftragte für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, verurteilte die Gewalttat ebenfalls und forderte die Serben im Kosovo auf, auf Rache zu verzichten.

Der jugoslawische Informationsminister Slobodan Orlic sprach von einem Terroranschlag, der die Bemühungen der Regierung in Belgrad zur friedlichen Lösung der Krise in Südserbien untergraben solle. Seine Regierung werde den Druck auf die Kfor verstärken, da diese die Hauptverantwortung für die Sicherheit im Kosovo habe. Am Nachmittag wurde südlich von Pristina eine Serbin getötet, als ein Auto durch eine Barrikade raste, die von Serben aus Protest gegen den Anschlag auf den Bus errichtet worden war. Anderenorts wurde ein albanisches Restaurant angezündet.

Der serbische Bus befand sich in einem aus fünf Fahrzeugen bestehenden und von Kfor-Soldaten eskortierten Konvoi auf dem Weg von Nis nach Podujevo im Kosovo, wo die mitfahrenden Serben Gräber von Angehörigen besuchen wollten. Kurz nach Passieren der Kosovo-Grenze zerriss eine starke Explosion den Bus.

Serbiens neuer Innenminister Dusan Mihajlovic hatte in der Nacht zum Freitag einen Anschlag unverletzt überlebt. Die Täter versuchten, dem Fahrzeugkonvoi des Ministers in der Belgrader Innenstadt mit zwei Autos den Weg abzuschneiden. Der Fahrer des Ministers konnte jedoch ausweichen und in schnellem Tempo weiterfahren. Nach Polizeiangaben feuerten die Angreifer Schüsse ab, ohne zu treffen. Mihajlovic hatte erst kürzlich angekündigt, sein Ministerium habe mit den Vorbereitungen für die Festnahme von Ex-Staatschef Milosevic begonnen. Fünf Personen seien festgenommen worden. Der Anschlag war kein Einzelfall. Ende Januar war der Fahrer des neuen Chefs der Staatssicherheit angeschossen worden.

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