Update

Attentat in Norwegen : Stiefbruder von Mette-Marit unter Mordopfern

Der Anschlag von Anders Behring Breivik galt indirekt Oslos Regierungschef – und dem, was er repräsentiert. Zu den Opfern des Massakers auf der Insel Utöya gehört auch ein Stiefbruder der norwegischen Prinzessin Mette-Marit.

von
Trauer vor der Insel Utøya.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dpa
25.07.2011 07:18Trauer vor der Insel Utøya.

Der Stiefbruder der norwegischen Prinzessin Mette-Marit, der 51-jährige Polizist Trond Berntsen wurde erschossen, als er seinen zehnjährigen Sohn schützen wollte, berichtete die Zeitung „Dagbladet“ am Montag in ihrer Online-Ausgabe. Berntsens Vater war mit der Mutter Mette-Marits, Marit Tjessem, verheiratet.

Eine Hofsprecherin sagte der Nachrichtenagentur NTB: „Die Gedanken der Prinzessin sind bei den nächsten Angehörigen.“ Berntsen hielt sich privat im Sommerlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF auf. Unklar blieb, ob er dabei als Wachmann für die Veranstalter arbeitete. Ein Fahndungsprecher hatte am Sonntag angegeben, dass ein Polizist außerhalb seines Dienstes diese Funktion ausgeübt habe.

Der Rassismus sei da, hat Marit Hermansen gesagt. „Aber wir tun nichts dagegen.“ Und sie fragte: „Ist das die Gesellschaft, die wir haben wollen?“

Ihr Sohn Benjamin, 15, war gestorben, weil sein Vater aus Ghana, Afrika, stammt. Gestorben heißt in diesem Fall erschlagen, erstochen, ermordet. „Roh, brutal und feige“, so stand es in der Anklage. Zwei Männer und eine junge Frau standen in Oslo vor Gericht, laut Presseberichten Mitglieder einer Neonazigruppe namens „Bootboy“.

Sie sagten, dass Norwegen für weiße Norweger sein solle und dass sie Ausländer hassen – und sie bekamen drei bis 16 Jahre Haft, statt der möglichen Höchststrafe von 21 Jahren.

Das war im Jahr 2002. Und ihr Verteidiger damals hieß Geir Lippestad.

Lippestad ist jetzt wieder im Einsatz. Als Verteidiger von Anders Behring Breivik, dem teilgeständigen Attentäter von diesem 22. Juli.

Und 2002 ist auch das Jahr, in dem Breivik mutmaßlich angefangen hat, an einem „Manifest“ zu arbeiten, dessen Existenz am Sonntag bekannt wurde und das ihm zugeschrieben wird. „2083. A European Declaration of Independence“ heißt es: eine europäische Unabhängigkeitserklärung – von „Andrew Berwick, London 2011“. Sie umfasst 1518 Seiten, in denen es um Marx, die Frankfurter Schule, die schönen 50er Jahre, Bosnien, Liebe und Erziehung und um politische Korrektheit geht, die vor allem anderen die Wurzel sämtlichen Übels sei. Eine Wurzel, die gewaltsam herauszureißen er sich bereit erklärt habe, wohlwissend, auch das steht in einem Frage-und-Antwort-Teil des Manifests, dass man ihn hinterher für verrückt erklären würde.

Seine Tat – eine Bombenexplosion im Regierungsviertel und das Massaker auf der Insel Utöya – sei „grausam aber notwendig“ gewesen, das hat Breivik, der in Untersuchungshaft sitzt, seinem Anwalt zufolge nach der Festnahme bei der Polizei ausgesagt. Notwendig, warum? Verrückt? Wahrscheinlich.

Da ist ein allem Anschein nach intelligenter und engagierter junger Mann in einem der reichsten und sozial gerechtesten Länder der Welt. Er engagierte sich jahrelang politisch, bei den Freimaurern und den norwegischen Rechtspopulisten von der Fortschrittspartei, die im Vergleich zu ähnlichen Parteien in Europa sehr gemäßigt sind. Er trug nach eigenen Angaben mit seiner Basisarbeit dazu bei, die Partei zu einer der stärksten politischen Kräfte des Landes zu machen. Es geht bei dieser Arbeit vor allem auch gegen das in den Jahrzehnten der Herrschaft etablierte System von Seilschaften rund um die regierende Arbeiterpartei.

Lesen Sie mehr auf Seite zwei.

Seite 1 von 3
  • Stiefbruder von Mette-Marit unter Mordopfern
  • Seite
  • Seite
Artikel auf einer Seite lesen
» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

25 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben