Attentat : Tätowierte im Fall Mannichl nicht mehr verdächtig

Im Fall Alois Mannichl sucht die Polizei nicht mehr nach den Verdächtigen mit auffälligen Tätowierungen. Dafür hat das LKA die Belohnung auf 20.000 Euro heraufgesetzt.

Petr Jerabek[ddp]
Fall Mannichl Phantombilder
Diese beiden Zeichnungen von auffälligen Tätowierungen hatte die Polizei im Fall Mannichl veröffentlicht. -Foto: dpa

München/PassauKnapp sechs Wochen nach dem mutmaßlich rechtsextremen Anschlag auf den Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl hat das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) die Belohnung vervierfacht. Für Hinweise, die zur Aufklärung der Messerattacke oder Festnahme des Täters führen, sind nun 20.000 Euro ausgesetzt, wie das LKA am Donnerstag mitteilte. Die Sonderkommission suche weiterhin einen etwa 1,90 Meter großen Mann mit kräftiger Statur, runder Gesichtsform, Glatze oder sehr kurz geschnittenen Haaren. Er habe einen Leberfleck oder Tätowierung am Hals, trage keinen Bart, und spreche mit bayerischem Dialekt, möglicherweise mit österreichischer Einfärbung.

Die Fahndung nach auf Phantombildern abgebildeten Personen mit auffälligen Tätowierungen (Kreuz und Schlange) wird dagegen zurückgenommen. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen bestünden keine hinreichenden Anhaltspunkte mehr, dass diese Gruppe im Zusammenhang mit dem versuchten Tötungsdelikt stehe, erläuterte das LKA.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Die Ermittlungen laufen den Angaben zufolge "weiter auf Hochtouren". Bisher gingen mehr als 470 Hinweise ein, eine heiße Spur ergab sich daraus nicht. Eine vertrauliche Behandlung von Hinweisen sei möglich, hieß es.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) forderte unterdessen, die Polizei müsse in alle Richtungen ermitteln, "mit den Möglichkeiten, die sie haben und den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen". An seinem Vorstoß für einen verstärkten Kampf gegen Rechts hält der CSU-Chef trotz der vielen offenen Fragen im Fall Mannichl fest: "Konsequent gegen politischen Extremismus vorzugehen, hat nichts mit dem Fall Mannichl zu tun." Die Messerattacke sei nicht Ursache, sondern Anlass der Debatte.

Der Passauer Polizeichef war am 13. Dezember an der Tür seines Wohnhauses in Fürstenzell mit den Worten "Viele Grüße vom nationalen Widerstand" niedergestochen und schwer verletzt worden. Unter Mannichls Leitung war die Polizei im Landkreis Passau in der Vergangenheit immer wieder gegen Neonazis vorgegangen. Die Ermittler vermuten deshalb einen Racheakt von Rechtsextremisten. Vom Täter fehlt jede Spur. (mpr/ddp)

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