• Auch 1999 eine neue Rekordhöhe von 174 347 Anträgen - nur noch 154 800 Männer einberufen

Politik : Auch 1999 eine neue Rekordhöhe von 174 347 Anträgen - nur noch 154 800 Männer einberufen

Jörn Hasselmann

Im Jahr des Kosovo-Krieges ist die Zahl der Kriegsdienstverweigerer in Deutschland auf einen neuen Rekord gestiegen. Die "Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär" teilte am Freitag mit, dass im abgelaufenen Jahr 174 348 Anträge auf Verweigerung bei den Kreiswehrersatzämtern eingegangen seien. Das sei ein "historisches Hoch" in Deutschland. Die Zahl der Uniformverweigerer stieg gegenüber 1998 - ebenfalls ein Rekordjahr - um 2691. Die Jahrgangsstärke ist mit 400 000 Mann dabei etwa gleich geblieben, das heißt die prozentuale Ablehnung stieg.

Aus der Sicht des Verteidigungsministeriums sind die Zahlen unspektakulär. Der Anstieg sei nicht dramatisch, sagte Sprecherin Birgit Loga auf Anfrage: "Das ist aus unserer Sicht vertretbar." Loga korrigierte die Zahlen der Kampagne um einen Antrag auf 174 347 herunter. Die Gründe der Verweigerer seien mannigfaltig, sagte Loga. Der Kosovo-Konflikt sei dabei nicht besonders bedeutend, da die Zahlen im gesamten Jahr auf hohem Niveau gewesen seien. Entscheidend sei wohl, dass die Bundeswehr im gesamten Jahr in den Schlagzeilen gewesen sei, vor allem wegen der Finanznot.

1999 haben erneut mehr junge Männer ihren Dienst verweigert als ihn angetreten. Einberufen zum Wehrdienst wurden nach Ministeriumsangaben 154 800. In diesem Jahr wird diese Zahl nach Einschätzung der Kampagne auf unter 150 000 sinken, da die Truppe immer mehr Stellen aus Geldnot nicht besetze. Dazu wären etwa 12 000 Soldaten auf Zeit (Unteroffiziers-/Offiziersanwärter) eingestellt worden. Auch in diesem Jahr werden maximal 170 000 der 400 000 Mann des neuen Jahrganges gebraucht.

In Berlin stiegen die KDV-Zahlen stärker als im Bundesdurchschnitt. Hatten 1998 insgesamt 6415 Wehrpflichtige den Dienst an der Waffe verweigert, so waren es im vergangenen Jahr 7244 Männer. Der Berliner Rekord von 1996 war im abgelaufenen Jahr nicht erreicht, damals waren 7939 registriert worden.

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