Politik : Auch Argentiniens neue Regierung gibt auf

Nach neuen Krawallen in Buenos Aires hat die argentinische Regierung geschlossen ihren Rücktritt angeboten. Übergangspräsident Adolfo Rodriguez Saa, der erst seit einer Woche im Amt ist, ließ zunächst offen, ob er die Rücktritte der Minister annehmen werde. Beobachter gingen am Sonntag davon aus, dass der peronistische Staatschef sein Kabinett umbilden würde. Rodriguez Saa äußerte sich nach den Ausschreitungen "zutiefst besorgt über die Lage im Land". Er rief die Banken auf, an diesem Montag die Löhne und Gehälter auszuzahlen und so zum sozialen Frieden beizutragen.

Mehr als 100 Demonstranten waren in der Nacht zum Samstag in das Kongressgebäude in Buenos Aires eingedrungen. Sie zertrümmerten im Abgeordnetenhaus Möbel, zerschlugen Scheiben und Gläser und setzten Vorhänge in Brand. Bei Auseinandersetzungen zwischen Randalierern und der Polizei wurden nach Fernsehberichten 12 Beamte verletzt und 33 Demonstranten festgenommen. Die Polizei vertrieb die jungen Leute mit Tränengas und Gummigeschossen aus dem Gebäude. Die Brände wurden gelöscht. In mehreren Teilen der Hauptstadt wurden Läden, Banken und amerikanische Schnellrestaurants von Randalierern verwüstet.

Zu den Ausschreitungen war es nach einer Kundgebung gekommen, bei der Tausende von Argentiniern gegen die Berufung angeblich korrupter Politiker durch Interimspräsident Rodriguez Saa protestiert hatten. Die Proteste richteten sich vor allem gegen den neuen Chef des Beraterstabes der Regierung, Carlos Grosso. Der Beamte, der ehemalige Bürgermeister von Buenos Aires, erklärte auf Grund der Proteste sofort seinen Rücktritt. Gegen ihn waren wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten in seinen Amtsgeschäften als Bürgermeister Verfahren wegen des Verdachtes der Korruption eingeleitet worden.

Rodriguez Saa rief die - der peronistischen Partei angehörenden - Provinzgouverneure zu einer Krisensitzung zusammen. Er hatte erst vor einer Woche die Nachfolge des gewählten Präsidenten Fernando de la Ra angetreten, der nach einer Welle blutiger Protestdemonstrationen zurückgetreten war. Rodriguez Saa soll das Land bis zu den Neuwahlen im März 2002 als Interimspräsident regieren.

US-Präsident George W. Bush forderte den argentinischen Staatschef zu Wirtschaftsreformen auf. Die Regierung müsse einen Plan zur wirtschaftlichen Genesung des Landes entwickeln, forderte Bush in einem Telefongespräch. Zugleich rief er Rodriguez Saa auf, mit den internationalen Finanzorganisationen zusammenzuarbeiten. Dann seien die Vereinigten Staaten auch bereit, Argentinien bei den Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds zu unterstützen.

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