Politik : Auch DAK und AOK wollen Rabatte gewähren

Geringere Beiträge für Gesundheitsbewusste / Betriebskrankenkassen planen Nachlass für Mitglieder, die selten beim Arzt sind

Ursula Weidenfeld

Berlin. Nach der Barmer Ersatzkasse wollen weitere Krankenkassen ihren Versicherten Beitragsrabatte gewähren, wenn sie gesund leben. Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK), die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und einige Betriebskrankenkassen denken nach Informationen des Tagesspiegels über Differenzierungen in ihrer Tarifstruktur nach oder haben sie bereits beschlossen.

Damit scheinen sich die Krankenkassen auf breiter Front von einem noch gesetzlich vorgeschriebenen Versicherungsprinzip verabschieden zu wollen: dem Grundsatz, dass für alle Versicherten der gleiche Beitragssatz gilt. Während die Betriebskrankenkassen denjenigen Rabatte geben wollen, die selten zum Arzt gehen, bevorzugen die Allgemeinen Ortskrankenkassen und die Ersatzkassen Modelle, in denen gesundheitsbewusstes Leben honoriert werden soll.

Am weitesten sind die Überlegungen bei der Betriebskrankenkasse Fahr, die in Niedersachsen und Baden-Württemberg für alle Versicherten geöffnet ist. Die BKK Fahr hat beschlossen, Versicherte mit Rabatten zu belohnen, die ihren Arzt nicht so oft aufsuchen. Das baden-württembergische Sozialministerium werde diesen Tarif genehmigen, sagte ein Sprecher des Stuttgarter Sozialministeriums.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte einen ähnlichen Tarif der Techniker-Krankenkasse (TK) mit dem Argument abgelehnt, dass dadurch das Solidarprinzip der Krankenkassen ausgehöhlt werde. Die Genehmigung eines solchen Tarifs wäre die Initialzündung für weitere Rabattmodelle bei den gesetzlichen Krankenkassen, die bisher für alle Versicherten den gleichen Tarif hatten.

Über die Weihnachtsfeiertage hatte Barmer-Chef Eckart Fiedler, der die größte deutsche Ersatzkasse leitet, angekündigt, dass seine Kasse künftig gesundheitsbewusstes Verhalten ihrer Versicherten belohnen wolle. Die Barmer plane Rabatte für Versicherte, die sich das Rauchen abgewöhnen, abspecken oder regelmäßig Sport treiben. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Sozialministerin Schmidt hatten gesagt, sie hielten es für sinnvoll, wenn gesundheitsbewusstes Leben sich auch bei den Krankenversicherungen lohne.

Die DAK wollte am Freitag nicht bestätigen, dass auch sie Rabatte plant. DAK-Sprecher Thomas Ollrogge sagte aber, „dass die DAK sehr schnell reagieren wird, wenn die gesetzlichen Grundlagen geschaffen sind“. Demgegenüber sagte der Leiter des Berliner Büros der Betriebskrankenkassen, Robert Paquet, es sei für viele Betriebskrankenkassen attraktiv, Beiträge nach der Häufigkeit der Arztbesuche zu staffeln. Ein deutscher Versicherter gehe fünf bis zehn Mal öfter zum Arzt als ein Holländer. Dennoch sei die ärztliche Versorgung in den Niederlanden keineswegs schlechter. Bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen laufen nach Auskunft des Verbandes derzeit Betriebsversuche mit gespaltenen Tarifen in Niedersachsen. Diese Versuche seien nicht abgeschlossen, aber „sehr vielversprechend“, sagte eine Sprecherin.

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