Politik : Auch Ecuador rückt jetzt nach links

Sandra Weiss

Caracas - Mit Ecuador rückt ein weiterer südamerikanischer Staat politisch nach links. Die zweite Runde der Präsidentschaftswahl in dem Andenland gewann am Sonntag der linke Ökonom Rafael Correa. Er kam nach Auszählung von 40 Prozent der Stimmen auf 68 Prozent, während sein Gegner, der rechtspopulistische Multimillionär Alvaro Noboa, 32 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte.

Correa feierte schon am frühen Abend seinen Erfolg. „Die Hoffnung hat gesiegt, die 20 Jahre Dunkelheit des Neoliberalismus haben ein Ende gefunden“, erklärte der Wirtschaftsprofessor und verkündete, eine seiner ersten Maßnahmen werde die Rückkehr Ecuadors in die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) sein. Der fünftgrößte Erdölexporteur Lateinamerikas trat 1992 aus der Opec aus. Außerdem werde er den Freihandelsvertrag mit den USA nicht unterzeichnen. Sein designierter Wirtschaftsminister Ricardo Patino erklärte, das Land werde ab Mitte Januar die „illegitimen“ Auslandsschulden nicht mehr bedienen, ohne jedoch diese genau zu definieren. Die Dollarisierung werde entgegen früheren Beteuerungen zunächst aufrechterhalten.

Der bis auf ein kurzes Intermezzo als Finanzminister politisch unerfahrene, aber äußerst charismatische und wortgewandte Correa tritt ein schweres Erbe an. Das einst für seine Stabilität bekannte Andenland durchlebt seit Jahren eine schwere wirtschaftliche und politische Krise. Sieben Präsidenten wurden in zehn Jahren verschlissen, meist noch vor Beendigung ihrer Amtszeit durch Volksaufstände aus dem Amt gejagt. Die Dollarisierung brachte nach Hyperinflation zwar Währungsstabilität, kostete die heimische Wirtschaft aber auch Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze und heizte die Migration weiter an. Wie auch in den Nachbarländern Peru, Bolivien und Venezuela haben in Ecuador die Altparteien ausgedient. Korruption und Misswirtschaft kosteten sie Legitimität, und die Bevölkerung wartet nach fast drei Jahrzehnten Demokratie noch immer auf eine Verbesserung ihrer Lebensumstände. 20 Prozent gelten als extrem arm. Das Parlament gilt als Hort der Korruption, und auch die übrigen Institutionen stehen auf tönernen Füßen. Fraglich ist, wie viele seiner Versprechen Correa in die Realität umsetzen kann.

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