Politik : Auch Erdogan droht der PKK mit Angriff

Thomas Seibert

Istanbul - Der türkische Premier legt nach: Sein Land werde nicht mehr lange damit warten, Soldaten in den Nordirak zu schicken, um die kurdische Rebellengruppe PKK anzugreifen, sagte Recep Tayyip Erdogan in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Mit dieser Drohung ging er weiter als die Militärs, die eine Intervention als eine Option unter vielen sehen. Die PKK kündigte bereits heftigen Widerstand an.

Die Kurdengruppe greift wieder fast täglich türkische Soldaten in Südostanatolien an. Mehr als 140 Soldaten und Zivilisten wurden seit der Rückkehr der PKK zum bewaffneten Kampf im vergangenen Sommer getötet. Aus türkischer Sicht sind besonders die USA als Besatzungsmacht im Irak gefordert. Doch die türkische Öffentlichkeit misstraut den USA. Die USA hätten schon häufiger versprochen, der PKK das Leben schwer zu machen, doch sei nichts geschehen, kommentierte unlängst eine Zeitung. Auch Erdogan scheint den USA nicht zu trauen. Wenn sie in den Irak einmarschieren wolle, werde die Türkei weder Bagdad noch Washington um Erlaubnis bitten, sagte er. Solche Sprüche sind auch ein Signal nach innen. Die Öffentlichkeit soll das Gefühl haben, dass die Regierung der neuen PKK-Gefahr nicht hilflos gegenübersteht.

Einige Beobachter halten die Drohungen deshalb für Theaterdonner. Sollte die Türkei Soldaten in den Irak schicken, bekäme sie Streit mit den USA, die eine Destabilisierung des relativ ruhigen Nordens befürchten. Ankara kann zudem nicht sicher sein, dass die EU eine Militäraktion guthieße. Kurz vor dem geplanten Beginn der Beitrittsgespräche am 3. Oktober würde das Unternehmen noch riskanter.Nur als Beruhigungspille für die eigene Öffentlichkeit sollten die türkischen Warnungen aber nicht abgetan werden. Wenn die USA untätig bleiben und die PKK weitere Anschläge in der Türkei verübt, wird der innenpolitische Druck auf Ankara wachsen, Worten auch Taten folgen zu lassen. Und dann könnte Erdogan zum Gefangenen seiner eigenen Rhetorik werden.

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