Politik : Auch FBI ermittelt im Fall Litwinenko

Britischer Innenminister Reid kündigt Ausweitung der Nachforschungen in der Giftaffäre an

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London/Rom - In die Ermittlungen zum Gifttod des Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko hat sich jetzt auch das FBI eingeschaltet. Die US-Polizei verfolgt nach Berichten der britischen Sonntagspresse ebenfalls den Verdacht, dass der ehemalige russische Geheimagent von Ex-Kollegen ermordet wurde. Nach Litwinenko bangt inzwischen auch dessen italienischer Kontaktmann Mario Scaramella um sein Leben. Der 36-Jährige steht nach der Entdeckung von radioaktiven Spuren in seinem Urin in einer Londoner Klinik unter Quarantäne.

Nach Informationen der Sonntagszeitungen „The Observer“ und „Sunday Mirror“ vernahmen Beamte von FBI und Scotland Yard in Washington einen Agenten des früheren sowjetischen Geheimdienstes KGB namens Juri Schwets. In einer Erklärung seines Anwalts wies Schwets einen Bericht zurück, wonach er ein Dossier über Ermittlungen der russischen Staatsanwaltschaft gegen Mitarbeiter des Ölkonzerns Jukos erstellt habe. Eine der Theorien zur Vergiftung Litwinenkos stellt einen Zusammenhang zur Zerschlagung des Jukos-Konzerns her.

Der britische Innenminister John Reid kündigte an, dass die Ermittlungen „innerhalb und außerhalb von Großbritannien“ ausgeweitet würden. Nach Informationen des britischen Senders BBC sollen mehrere Beamte in den kommenden Tagen auch nach Moskau reisen.

Alle Vorwürfe, der Kreml oder andere staatliche Stellen stünden hinter dem Mord, werden in Russland zurückgewiesen. Scaramella stand am Sonntag weiter unter strenger Kontrolle der Ärzte. In seinem Urin wurden ebenfalls Spuren der Substanz Polonium 210 entdeckt, mit der Litwinenko vermutlich am 1. November vergiftet wurde. Beide waren an diesem Tag gemeinsam in London in einem Sushi-Restaurant. Die radioaktive Belastung im Körper des Italieners ist nach Auskunft der Ärzte weit geringer als bei Litwinenko. Vergiftungssymptome zeigten sich bislang nicht, hieß es am Sonntag. Die Dosis sei aber ebenfalls „potenziell tödlich“ gewesen, ließ Scaramella über seinen Anwalt erklären. Befürchtet wird, dass er an Krebs erkranken könnte. Auf welchem Weg die radioaktive Substanz in seinen Körper kam, wissen die Ärzte bislang nicht. Auch bei Litwinenkos Witwe Marina (44) wurden Polonium-Spuren gefunden. Die Gefahr für sie ist nach Einschätzung der Ärzte aber gering.

Der „Observer“ berichtete unter Berufung auf eine russische Studentin, dass Litwinenko im Besitz von Geheimdienstdokumenten war, mit denen er andere erpressen wollte. Die Liste habe von reichen russischen Geschäftsleuten über korrupte Beamte bis hin zu „Quellen im Kreml“ gereicht. Die „Sunday Times“ lenkte den Verdacht vor allem auf drei Russen, die Litwinenko ebenfalls am 1. November getroffen hatte.

Die Affäre belaste zunehmend die britisch-russischen Beziehungen, berichteten britische Zeitungen. Laut „Sunday Times“ warnte Premierminister Tony Blair im Kabinett, dass „das größte Problem“ auf lange Sicht sicher das britisch-russische Verhältnis sein werde. Ein nicht namentlich genannter Minister habe geäußert, die bilateralen Beziehungen seien zu wichtig, um es sich mit den Russen wegen dieser Sache zu verderben. dpa/AFP

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