Politik : Auch Finnland will Änderungen an der Ostsee-Pipeline

Regierungen in Helsinki und Stockholm warnen vor Umweltrisiken / Bau der Gasleitung verzögert sich

Claudia von Salzen
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Schweden und Finnland fürchten Umweltrisiken durch die geplante Ostsee-Gaspipeline. Beide Länder fordern daher Änderungen an der bislang geplanten Route. Diese Vorbehalte bedeuten einen weiteren Rückschlag für die Betreibergesellschaft Nord Stream, die mehrheitlich dem russischen Energiekonzern Gasprom gehört und deren Aufsichtsratschef Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) ist. Zugleich drohen die Bedenken den Bau der auch politisch umstrittenen Pipeline, die Erdgas aus Russland nach Deutschland bringen soll, weiter zu verzögern.

Nach Schweden äußerte nun auch die finnische Regierung Vorbehalte gegen Nord Streams Pläne: „Wir hoffen, dass die Route auf russischem Gebiet noch geändert wird“, sagte der finnische Umweltminister Kimmo Tiilikainen dem Tagesspiegel. „Sie verläuft sehr dicht an finnischen Naturschutzgebieten.“ In der Nähe der russischen Insel Gogland, die etwa 35 Kilometer vor der Küste Finnlands liegt, hat sich Cadmium am Meeresboden abgelagert. Finnische Experten fürchten nun, dass das giftige Schwermetall durch den Bau der Pipeline aufgewirbelt und von der Strömung in die Naturschutzgebiete geschwemmt werden könnte. „Je näher die Route an den Schutzgebieten verläuft, desto größer ist die Gefahr“, sagte Tiilikainen. Daher plädiert die finnische Regierung dafür, die Pipeline nicht nördlich, sondern südlich der Insel zu verlegen. Diesem Plan müsste neben Nord Stream auch die russische Regierung zustimmen.

Schon im Frühjahr hatten die Finnen andere Bedenken vorgebracht: Weil der Meeresboden im Finnischen Meerbusen extrem uneben ist, schlug Finnland vor, die Pipeline weiter im Süden zu bauen. Nord Stream ging auf den Vorschlag ein, scheiterte aber am Widerstand der estnischen Regierung, in deren Zuständigkeit die neue Strecke gefallen wäre. Estland, das aus politischen Gründen gegen die Pipeline ist, untersagte von vornherein alle Untersuchungen. Damit liegt der Ball wieder bei den finnischen Behörden. Sie müssen entscheiden, ob eine „Unterfütterung“ der Pipeline auf dem unebenen Meeresboden für die Umwelt verträglich ist. Daran gibt es in Helsinki Zweifel: Bei den Arbeiten am Meeresgrund könnten ebenfalls Schwermetalle aufgewirbelt werden, warnte eine mit dem Genehmigungsverfahren befasste Expertin. „Das Unternehmen muss nun erklären, wie es bestimmte Risiken vermeiden will“, sagte Umweltminister Tiilikainen.

Auch sein schwedischer Amtskollege Andreas Carlgren kritisiert die Pläne: Die Strecke führe durch Gebiete, die unter Umweltgesichtspunkten „problematisch und riskant“ seien, sagte der Minister. Carlgren forderte die Betreibergesellschaft auf, alternative Routen vorzuschlagen. Die Kritik bezieht sich auf den Streckenabschnitt nahe der schwedischen Insel Gotland. Dort könnten auf dem Meeresgrund noch Munition und Chemiewaffen aus dem Zweiten Weltkrieg liegen, warnte der Minister. Er empfahl, eine Route weiter östlich zu wählen. Die Betreiberfirma will zwar die Wünsche der betroffenen Länder prüfen, aber nicht einfach von ihrem Vorschlag abrücken: „Wir werden den Nachweis erbringen, dass unser Vorschlag der ökologisch und wirtschaftlich optimale Verlauf ist“, sagte Nord-Stream-Sprecher Jens Müller. Zugleich widersprach er den Befürchtungen des schwedischen Umweltministers. Bei den Untersuchungen des Meeresbodens sei im Bereich der vorgesehenen Strecke vor Gotland keine Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden – weiter östlich gebe es dagegen Munitionslagerstätten.

Den Bau der Pipeline müssen Deutschland, Russland, Schweden, Finnland und Dänemark genehmigen. Zumindest in einem Fall hat Nord Stream die Planung schon ändern müssen: Die Leitung wird nun westlich statt östlich der dänischen Insel Bornholm verlaufen, weil es zwischen Dänemark und Polen einen ungeklärten Grenzkonflikt gibt. Angesichts der vielen Probleme hat Nord Stream den Baubeginn verschieben müssen: Statt wie geplant im kommenden Jahr sollen die Arbeiten nun erst im Juli 2009 beginnen. Das Konsortium, an dem neben Gasprom die BASF-Tochter Wintershall, Eon Ruhrgas und die niederländische Gasunie beteiligt sind, hält aber weiter daran fest, dass die Pipeline 2010 in Betrieb gehen soll. Dieses Ziel scheint allerdings kaum zu halten – noch sind die Baugenehmigungen in Schweden und Finnland nicht einmal beantragt. „Der Zeitplan ist eine große Herausforderung“, sagte der finnische Umweltminister. „Man kann unmöglich sagen, wie lange der Genehmigungsprozess dauern wird.“

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