Politik : Auch Nato nutzt Bombodrom Viel mehr Einsätze als bisher bekannt / Flüge sogar nachts

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Wittstock (du/dpa). Auf dem Gelände des Bombodrom in Nordwestbrandenburg werden sehr viel mehr Kampfflugzeuge starten und landen als bisher bekannt. Das Betriebskonzept, das dem Tagesspiegel vorliegt, zeigt: Auf dem umstrittenen Übungsplatz werden nicht nur Tornados und Eurofighter der Bundeswehr trainieren, sondern auch Kampfjets der Nato-Partner. Bis zu 1700 Flugzeuge werden jährlich Kurs auf das Gelände nehmen. Die Ziele sollen bei Tageseinsätzen im Schnitt fünfmal angesteuert werden, so dass mit 7500 Anflügen im Jahr zu rechnen ist. Es soll auch Nachteinsätze geben. Das Verteidigungsministerium bestätigte die Pläne. Die EU-Kommission hatte die Beschwerde einer Bürgerinitiative gegen das Bombodrom mit dem Hinweis abgelehnt, die Bundeswehr plane lediglich 161 Einsätze pro Jahr. Bei einer militärischen Nutzung in diesem Umfang sei keine erhebliche Beeinträchtigung der Naturschutzgebiete zu erwarten, sagte der zuständige EU-Referatsleiter. Woher die Zahl von 161 Einsätzen stammt, ist unklar.

Wie aus dem Konzept hervorgeht, sind auch Schießstände für Bodentruppen geplant. An bis zu 100 Tagen werden zudem Einheiten mit Flugabwehrraketen auf dem Gelände trainieren. Mehrere Tornado-Überflüge führten zu neuem Streit zwischen Gegnern des Übungsplatzes und dem Militär. Damit verstoße die Luftwaffe schon jetzt gegen Auflagen, die mit der Inbetriebnahme des Bombodroms zusammenhängen, erklärte Wilhelm Schäkel von der Initiative Freie Heide. An diesem Wochenende soll eine Aktionswoche der Gegner beginnen. Da die Organisatoren auch „zivilen Ungehorsam“ ankündigten, warnte die Bundeswehr „aus Sicherheitsgründen“ vor dem Betreten des Platzes.

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