Politik : Auch Zabel gesteht Doping – nur Ullrich schweigt

Ex-Telekom-Sprintstar hat Epo genommen Aldag legt Geständnis ab / T-Mobile bleibt Sponsor

Mathias Klappenpach,Friedhard Teuffel

Bonn/Berlin - Der erfolgreichste noch aktive Radrennfahrer der Welt, Erik Zabel, hat die Verwendung der verbotenen Substanz Erythropoetin (Epo) gestanden. Mit stockender Stimme und Tränen in den Augen erklärte der ehemalige Telekom-Fahrer am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Bonn, bei der Tour de France 1996 das Hormon eine Woche lang „ausprobiert“ zu haben. Rolf Aldag, heute Sportdirektor des Telekom-Nachfolgeteams T-Mobile, gestand auf der Pressekonferenz, mit Epo über mehrere Jahre hinweg gedopt zu haben. Er bot seinen Rücktritt an, soll aber im Amt bleiben.

Vor Aldag und Zabel hatten bereits die ehemaligen Team-Telekom-Fahrer Bert Dietz, Christian Henn und Udo Bölts Dopingvergehen gestanden. Der ebenfalls unter Dopingverdacht stehende Ex-Radprofi Jan Ullrich hingegen schweigt weiter. Sein Anwalt, Peter-Michael Diestel, hat derweil sein Mandat niedergelegt. Noch am Donnerstagmorgen hatte Diestel in seiner Funktion als Ullrichs Anwalt im ZDF gesagt, er sehe seinen Mandanten nach den jüngsten Geständnissen „entlastet“. Diestel sagte: „Wo ist da die Basis für Betrug, wenn das wohl, wie es die Herren Dietz und Henn dargestellt haben, bei Telekom gang und gäbe war?“ Der Däne Bjarne Riis, als Telekom-Kapitän Gewinner der Tour 1996, kündigte für heute eine Pressekonferenz in Kopenhagen an.

Mit 192 Profisiegen ist Vizeweltmeister Zabel nach Tageserfolgen gerechnet der erfolgreichste aktive Radprofi der Welt. Er gewann zwölf Tour-de-France- Etappen, acht Klassiker und trug sechs Mal das Grüne Trikot als bester Tour- Sprinter. Zabel ist der erste aktive Profi, der im Radsportskandal Doping gesteht. Seine Nominierung für die Weltmeisterschaft im September ist nun fraglich.

T-Mobile kündigte an, an seinem Engagement im Radsport festzuhalten. Dagegen gab das Geflügelunternehmen Wiesenhof bekannt, zum Jahresende sein Engagement im Profi-Radsport zu beenden.

Zabel, der derzeit beim Team Milram unter Vertrag steht, erklärte, er habe Epo wegen der starken Nebenwirkungen wieder abgesetzt. „Das Kontrollverfahren damals war absolut lückenhaft. Ich habe 1996 Epo probiert, weil es möglich war und weil es einfach ohne Konsequenzen blieb“, sagte er. Aldag verwendete Epo bereits von 1995 an und hielt mehrere Jahre daran fest. „Ich habe mich aktiv fürs Doping entschieden“, gestand er. 1997 habe er erstmals ein schlechtes Gewissen bekommen. Bis dahin habe es keine Möglichkeit gegeben, erwischt zu werden.

Zabel unterbrach mehrmals sein Geständnis, um sich zu fangen. Doch als er über seinen Sohn redete, der selbst Rad fährt und dem er jetzt erklären muss, warum sein Vater gedopt hat, konnte der 36-Jährige die Tränen nicht mehr halten. „Ich habe gelogen, es tut mir leid“, sagte Zabel und bekam Applaus von den Journalisten. „Wahrscheinlich wird meine Generation als die Epo-Generation in die Geschichte eingehen“, resümierte der Sprintspezialist.

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, bezeichnete die Geständnisse Zabels und Aldags als „menschlich bewegend, sachlich aber unzureichend“. Zu sagen, sie hätten Epo genommen, weil es zur damaligen Zeit nicht zu entdecken gewesen sei, „halte ich nicht für eine ausreichende Entschuldigung“, sagte Bach.

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