Politik : Auf Abruf

Die Bundesregierung wartet auf ein offizielles Hilfsgesuch aus Washington – DRK entsendet Experten

Michael Schmidt

Berlin - Für eine möglichst rasche und zielgerichtete Hilfe in den Hurrikan-Katastrophengebieten will die Bundesregierung ein Team des Technischen Hilfswerks (THW) in die USA entsenden. Das so genannte Fact-Finding-Team werde nach Rücksprache mit der US-Regierung losgeschickt, erklärte Regierungssprecher Bela Anda am Samstag in Berlin. Es solle sicherstellen, dass die von den USA gewünschten Hilfsmaßnahmen „ohne Zeitverzug“ anlaufen können. Ein offizielles Hilfsgesuch aus Washington lag jedoch bis zum Samstagnachmittag nicht vor. Das Angebot stehe, sagte ein THW-Sprecher dem Tagesspiegel am Sonntag, jetzt liege die Entscheidung in den Händen der US-Regierung.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte am Freitag umfassende deutsche Hilfe angekündigt. Vor allem gehe es um medizinische sowie technische Hilfe. Der Kanzler bat nach eigener Aussage alle Ministerien, mögliche Angebote zu prüfen. Auch die Bundeswehr überlege, inwieweit sie sich an Hilfen beteiligen könne. Bereits am Freitag wurde ein Luftwaffen-Airbus, der sich auf dem Rückflug von Kanada nach Deutschland befand, nach Pensacola in Florida umgeleitet, um spontan eine zivile Hilfsorganisation mit zehn Tonnen Epa zu unterstützen: kleinen Verpflegungspaketen, die einem Soldaten für mindestens einen Tag genügen sollen.

US-Außenministerin Condoleezza Rice dankte Deutschland und betonte, dass sie nicht zögern werde, auf das Angebot der Bundesregierung zurückzukommen. Schröder erklärte, die USA hätten das deutsche Hilfsangebot im Grundsatz angenommen, aber noch nicht abgerufen.

Bei Bedarf sollten Impfstoffe, Medikamente und große Mengen von Hilfsgütern in die betroffenen Regionen geliefert werden. Für die Bergung von Opfern, Wasseraufbereitung, Wiederherstellung der Stromversorgung und den Aufbau von Notunterkünften stehen Spezialisten vom THW und vom Deutschen Roten Kreuz bereit. Das DRK wird vermutlich Anfang der kommenden Woche fünf bis zehn Experten für Logistik in das Katastrophengebiet entsenden. Das sagte DRK-Sprecher Fredrik Barkenhammar dem Tagesspiegel am Sonntag. Das DRK, das nicht auf das offizielle Hilfegesuch der US-Regierung warten muss, um aktiv zu werden, reagierte damit auf eine entsprechende Anfrage des Amerikanischen Roten Kreuzes an das Internationale Komitee des Roten Kreuzes in Genf. Das Rote Kreuz in Großbritannien, Schweden, Australien und anderen Staaten werde sich daran beteiligen, ein Team von 50 bis 70 Experten zur Unterstützung der US- Kollegen zusammenzustellen. Die hätten bereits erfolgreich mit mehreren Tausend freiwilligen Helfern für 70000 Menschen Unterkünfte geschaffen. Das DRK habe auch so genannte „emergency response units“ angeboten, mobile Trinkwasseraufbereitungsanlagen, Gesundheitsstationen oder ganze Krankenhäuser. Das Amerikanische Rote Kreuz habe aber um Spenden und „personelle Expertise gebeten, nicht um Material“, so Barkenhammar. Am Sonntag will sich Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier mit dem amerikanischen Botschafter William R. Timken treffen. Dabei soll es um einen Abgleich des deutschen Hilfsangebots mit den Bedürfnissen im Katastrophengebiet gehen.

Die Hilfen sollen vom Arbeitsstab Humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amtes koordiniert werden. Beim Parteitag der CSU kündigte Parteichef Edmund Stoiber an, Bayern wolle die Hilfe der Bundesländer koordinieren. (mit dpa)

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