Politik : Auf breiter Front gegen den Unmenschlichen

Rebellen unter Joseph Kony haben im Ostkongo fast 500 Menschen getötet – jetzt geht Uganda wieder militärisch gegen sie vor

Dagmar Dehmer
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Berlin - Zwanzig Jahre lang hat Joseph Kony mit seiner „Widerstandsarmee des Herrn“ (Lords Resistance Army, LRA) die Menschen im Norden Ugandas terrorisiert. Rund eine Million Menschen lebten und leben in Flüchtlingslagern. Mehr als 20 000 Kinder hat die LRA im Norden Ugandas entführt und zu Kindersoldaten oder Sexsklavinnen gemacht, hunderten Menschen hat die Truppe die Lippen abgeschnitten oder Finger abgetrennt. Inzwischen treibt die LRA ihr Unwesen im Nordosten Kongos, im Südsudan und immer wieder auch in der Zentralafrikanischen Republik.

Allein zwischen dem 24. und 27. Dezember töteten LRA-Rebellen beinahe 500 Menschen im Nordosten Kongos. Allein 45 Menschen wurden in einer katholischen Kirche massakriert, die danach angezündet wurde. Der Grund: Mitte Dezember begann die ugandische Armee mit Unterstützung der kongolesischen Armee und der SPLA, der früheren südsudanesischen Rebellenorganisation, die inzwischen dort die Regierung stellt, einen gemeinsamen Angriff auf LRA-Camps im Garamba-Nationalpark im Norden der Provinz Ituri im Ostkongo. Dem sind mehr als zwei Jahre dauernde Friedensverhandlungen zwischen der ugandischen Regierung und der LRA vorangegangen. Ende November erschien Joseph Kony zum vierten Mal nicht zu einem vereinbarten Termin zur Unterzeichnung des längst ausgehandelten Friedensabkommens. Dann hatte Ugandas Präsident Yoweri Museveni die Nase voll und befahl einen neuen militärischen Angriff auf die LRA. Selbst der UN-Beauftragte für den nordugandischen Friedensprozess, der frühere mosambikanische Präsident Joaquim Chissano, zeigte Verständnis für die Luftangriffe auf die LRA-Lager im Ostkongo.

Museveni sagte am Neujahrstag: „Diesmal wird er nicht überleben.“ Schon am 24. Dezember habe Kony getötet werden sollen, doch Dorfbewohner im Südsudan, die nicht gewusst hätten, dass Kony sich bei ihnen versteckt habe, hätten ihn dadurch gerettet, dass sie dem ugandischen Militärhubschrauber zugewinkt hätten. Obwohl weder Kony noch seine zwei wichtigsten Kommandeure erwischt wurden, ist Museveni zufrieden. Die kongolesische Regierung kündigte an, die LRA „vernichten“ zu wollen. Sie will nun die Grenzen zur Zentralafrikanischen Republik sichern, denn nach UN-Angaben aber auch kongolesischen Informationen, ist Kony auf dem Weg dorthin.

Kony wird vom Internationalen Strafgerichtshof (ICC) mit einem Haftbefehl wegen seiner Verbrechen gesucht. Museveni selbst hatte den ICC gebeten, gegen Kony zu ermitteln. Inzwischen ist dieser ICC-Haftbefehl zum Friedenshindernis geworden. Denn Kony weigert sich, das Abkommen zu unterzeichnen, wenn der Haftbefehl nicht zurückgenommen wird. Die ugandische Zeitung „New Vision“ zitiert Kony mit den Worten: „Ich werde mich dem ICC niemals unterwerfen.“

Nach dem Friedensabkommen zwischen dem Nord- und dem Südsudan 2005 verlor Kony seine Rückzugsgebiete, von denen aus er Dörfer in Norduganda angegriffen hatte. Er flüchtete in den Ostkongo, in dem zwar seit 2002 offiziell Friede herrscht, der aber nie zur Ruhe gekommen ist. Von dort aus terrorisierte die LRA Dörfer im Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik und zuletzt immer mehr im Ostkongo. Hunderte Kinder sind von der LRA entführt worden, Tausende Menschen haben ihre Dörfer in Panik verlassen.

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