Politik : Auf dem Absprung

Mit den Parteitagen beginnt die heiße Phase im Kampf um das Weiße Haus in den USA

Christoph von Marschall[Washington]

Mit dem viertägigen Nominierungsparteitag der Demokraten in Denver, Colorado, beginnt am heutigen Montag die heiße Phase des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes. In der Woche darauf folgt der viertägige Parteitag der Republikaner in Minneapolis, Minnesota. Sie dienen als Weckrufe der beiden Lager, um ihre Anhänger zu mobilisieren. Danach bleiben zwei Monate bis zum 4. November, an dem der nächste Präsident und der neue Kongress gewählt werden.

Hauptaufgabe der Parteitage ist es, den Präsidentschaftskandidaten zu inthronisieren und Siegeszuversicht zu verbreiten. Im Gegensatz zu deutschen Parteitagen hat die Programmdebatte kaum Bedeutung. Wichtig ist die Verteilung der Redner. Am Montag spielt Barack Obamas Ehefrau Michelle die Hauptrolle. Der Dienstag gehört Hillary Clinton. Mit dieser Ehrung möchte Obama ihre Anhänger gewinnen. Der lang und scharf ausgetragene Kampf um die Nominierung hatte die Partei an den Rand der Spaltung geführt. Noch immer möchten sich rund 20 Prozent von Clintons Anhängern nicht mit ihrer Niederlage abfinden. Sie drohen, eine Kampfabstimmung zu verlangen, ob Clinton oder Obama antreten solle. Clinton hat sich öffentlich dagegen ausgesprochen. Doch manche Kommentatoren heben hervor, ihre Unterstützung für Obama klinge halbherzig.

Am Mittwoch sprechen Bill Clinton und, als Hauptredner, Joe Biden. Ihn hatte Obama am Samstag als Vizekandidaten vorgestellt. Obama kehrte dafür nach Springfield, die Hauptstadt seines Heimatstaats Illinois, zurück, wo er im Februar 2007 seine Kandidatur erklärt und von 1996 bis 2004 als Landessenator seine politische Karriere begonnen hatte. Zum Abschluss am Donnerstag wird Obama die Kandidatur annehmen. Die Demokraten ziehen dafür in ein Sportstadion um, das 76 000 Zuschauer fasst.

Auf die Wahl Joe Bidens als Vize haben die Demokraten begeistert reagiert, die öffentlichen Reaktionen sind verhaltener. Der 65-jährige Senator von Delaware soll als „Staatsmann und Kämpfer“ Obamas außenpolitische Kompetenz erhöhen und John McCain attackieren, schreibt die „Washington Post“. In ihrer am Sonntag veröffentlichten Umfrage, die vor Bidens Ernennung abgeschlossen war, sagten 13 Prozent, falls es Biden werde, würden sie eher für Obama stimmen. Für zehn Prozent machte ein Vize Biden es weniger wahrscheinlich, Obama zu wählen. 75 Prozent sagten, davon hänge ihre Entscheidung nicht ab. In einer „Gallup“-Erhebung schneidet Biden besser ab. Die Mehrheit bewertet ihn dort als Gewinn.

Mit ihren „Conventions“ versuchen beide Parteien, das statistische Patt aufzulösen. Im Schnitt aller Umfragen liegt Obama seit Monaten meist mit zwei bis drei Prozentpunkten vorn, aber diese Marge bewegt sich innerhalb der Fehlerquote der Erhebungen. Fachleute interpretieren das unterschiedlich. Die einen nehmen es als Warnsignal an Obama. Er könne die Stimmungslage gegen Amtsinhaber George W. Bush und die Republikaner nicht nutzen. Viele Bürger hätten Vorbehalte gegen ihn, weil er als Vertreter der liberalen Elite gelte, oder wegen seiner Hautfarbe. Die anderen betonen, während der Sommerferien wollten sich die Bürger nicht mit Politik beschäftigen. Viele hätten noch keine klare Meinung, so fehle den Umfragen die Aussagekraft.

Nach Ansicht der „Washington Post“ führt Obama unter eingetragenen Wählern mit 49 zu 43 Prozent und unter Bürgern, die wahrscheinlich wählen gehen, mit 49 zu 45 Prozent. Werte eines Kandidaten verbessern sich meist während des Parteitags und fallen danach wieder ab.

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