Politik : Auf dem Bau wird gestreikt

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Frankfurt (Main) (rtr/dpa). In der deutschen Bauindustrie beginnt am Montag der erste bundesweite Streik seit über 50 Jahren. Mehr als 98 Prozent sprachen sich bei der Urabstimmung nach Angaben der IG Bau Agrar Umwelt (IG BAU) für einen Arbeitskampf zur Durchsetzung ihrer Tarifforderungen aus.

„Ab Montag in der Früh wird es die ersten Ausstände im Norden geben“, sagte Gewerkschaftschef Klaus Wiesehügel am Sonnabend in Frankfurt. „Wir werden den Arbeitskampf langsam hochziehen.“ Die Gewerkschaft sei für einen längeren Streik gerüstet und in der Lage, die Intensität von Woche zu Woche zu erhöhen. Parallel werde man sich aber um Sondierungsgespräche bemühen.

Die Bau-Arbeitgeber bezeichneten den Streik angesichts der „katastrophalen Lage am Bau“ als unverantwortlich. Sie forderten die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ein gutes Drittel der 340000 Gewerkschaftsmitglieder beteiligte sich nach Gewerkschaftsangaben an der fünftägigen Urabstimmung. Der Arbeitskampf beginnt laut Wiesehügel am frühen Montagmorgen zunächst in „wichtigen Metropolen im Norden“ und soll dann auf alle anderen Regionen in Deutschland ausgeweitet werden. Er rechne fest mit einem längeren Streik. Seit 1995 seien rund eine halbe Million Arbeitsplätze in der Baubranche verloren gegangen. Die Stimmung am Bau sei „auf Sturm geschaltet“, sagte Wiesehügel. Genaue Angaben zu den geplanten Orten der Arbeitsniederlegung wollte er nicht machen, „denn das würde die Unsicherheit der Arbeitgeber entschärfen“.

IG-BAU-Vorstandsmitglied Dietmar Schäfers sagte, die Arbeitgeber sollten durch den Streik wieder den „nötigen Respekt“ vor den Arbeitnehmern bekommen. Dass fast zwei Drittel der zu der Urabstimmung aufgerufenen Mitglieder kein Votum abgegeben hatten, begründete Wiesehügel mit der großen Zahl von schwer erreichbaren kleinen und abgelegenen Baustellen. Bundesweit gebe es im Sommer bis zu 100000 Baustellen.

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