Politik : Auf dem Drogenbasar

Von Harald Martenstein

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Bei einem Spaziergang im Volkspark Hasenheide wurde ich von zehn oder zwölf Männern umzingelt, die mir alle, und zwar recht laut und völlig offen, Haschisch verkaufen wollten. Sie waren offenbar alle Türken. Ich bin kein Fan von Law and Order, trotzdem dachte ich: „Glaubt die Polizei, solange die Jungs hier im Park fleißig ihr Hasch verticken, begehen sie wenigstens keine Ehrenmorde?“

Dann fiel mir das Wort „naiv“ ein. Leute, die von einer halbwegs funktionierenden multikulturellen Gesellschaft träumen, werden ja seit ein paar Jahren gerne „naiv“ genannt. Ich frage mich, ob die Monokultis nicht in Wirklichkeit viel naiver waren als die Multikultis. Die Monokultis haben jahrzehntelang gedacht, dass die Probleme mit den Einwanderern verschwinden, indem man die Einwanderer ignoriert. Eine naive Idee! Die Monokultis haben in ihrer weltfremden Monogesinnung eine gesteuerte Einwanderung und eine freundliche Grundstimmung für qualifizierte Einwanderer verhindert. Auf diese Weise haben wir hauptsächlich die Unqualifizierten bekommen, die Qualifizierten gehen lieber nach Kanada.

Die Monokultis lassen Leute aus Einwandererfamilien für teures Geld in Deutschland ausbilden, um sie hinterher, weil sie nicht den richtigen Pass haben, abzuschieben. Die Monokultis sind so weltfremd, dass sie nicht begreifen, welch ein Kapital jeder junge, gut ausgebildete, motivierte Mensch für eine Gesellschaft darstellt. Ich dachte an die türkischen Fußballer, die massenhaft in deutschen Vereinen aufwachsen, die besten von ihnen landen am Ende in der türkischen Nationalmannschaft. In Frankreich und England läuft es anders.

Die Monokultis werfen den Multikultis vor, dass sie an den Einwanderern nur die liebenswerte Seite gesehen haben. Die Monokultis haben an den Einwanderern nur das Störende gesehen. Wieso das eine klüger sein soll als das andere, begreife ich nicht. Es gibt eine Sorte von Leuten, die ich, in meiner Privatsprache, „Ledernacken“ nenne. Ledernacken werfen all denen Naivität vor, die nicht in jeder Lebenslage für harte, einfache Lösungen sind. Der König der Ledernacken ist George W. Bush, dieser geniale Staatsmann, der so viel Glück über die Vereinigten Staaten bringt.

Multikulti ist nicht immer naiv. Naiv wäre es, wenn bei den Kreuzberger Maientagen, einem beliebten Volksfest, der Großdeutsche Dealerchor aus der Hasenheide unter dem Dirigat von Christian Ströbele die Nationalhymne auf Türkisch singt. Übrigens gibt es nur wenige Journalisten, die kiffen. Unsere Droge ist die Meinungsfreiheit.

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