Politik : Auf dem Kompost

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ob Max Pieper jemals wieder einem Medienvertreter über den Weg traut? Max Pieper ist 18 Jahre alt und hat das Pech, dass seine Mutter Cornelia Pieper, die FDP-Generalsekretärin, in ihrer Privatwohnung Journalisten empfing. Im „Stern“ und in der „Bild“- Zeitung war prompt zu lesen, Max züchte eine Hanfpflanze, aus der Haschisch zu gewinnen sei. Deshalb läuft gegen den Sohn nun ein Ermittlungsverfahren. Die Frage, warum Magazinjournalistinnen mit Cannabis so vertraut sind, dass sie das Gewächs in der Wohnung gleich erkannten, soll hier keine Rolle spielen. Vielleicht betreiben sie Botanik als Hobby und studieren in ihrer Freizeit intensiv die Gattung der Maulbeergewächse.

Die Bloßstellung eines Familienangehörigen durch Pressevertreter, die sich um die Grenzen berechtigter politischer Neugierde nicht kümmern, reichte freilich noch nicht aus, um Max bekannt zu machen. Dazu musste die Staatsanwaltschaft Halle nach „Stern“- und „Bild“-Lektüre erst auf die Idee kommen, wegen einer einzigen Pflanze eine Hausdurchsuchung zu veranlassen. Die Polizei hat ja sonst nichts zu tun. Es fanden sich Reste des Krauts auf dem Komposthaufen.

Und was macht die FDP? Die erklärte das Treiben des Pieper-Sohnes nicht etwa zur unpolitischen Privatsache. Vielmehr rief die Partei die Medien auf, die „Falschmeldung“ über Haschisch im Hause der Generalsekretärin nicht zu zitieren. Und drohte: Pieper behalte sich rechtliche Schritte vor.

Was lernt Sohn Max daraus über die Partei seiner Mutter? Hoffentlich hat er nicht geglaubt, die meinten das ernst mit der Eindämmung des Obrigkeitsstaats und mit der Selbstverantwortung. Sonst müsste er jetzt ziemlich enttäuscht sein.

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