Politik : Auf dem Schiff und ohne Bus – Islamgegner in Köln sitzen fest

Köln - So hatten sich die Organisatoren den Auftakt für ihren Kongress nicht vorgestellt. Noch bevor sich die angereisten Mitglieder und Freunde von „Pro Köln“ im Bezirksrathaus des Stadtteils Rodenkirchen treffen konnten, schloss Bürgeramtsleiter Reiner Lindlahr rasch die Türen. Auch der zweite Versuch, über die Einzelheiten des Antiislamisierungskongresses zu informieren, schlug weitgehend fehl. Weil es an Land keine Räumlichkeiten geben könnte, hatten die Verantwortlichen von „Pro Köln“ vorsorglich ein Schiff angemietet, um auf dem Rhein unbeobachtet agitieren zu können. Doch rings um den Bootsanleger kam es zu Rangeleien zwischen Rechten und Gegendemonstranten. Nachdem eine Scheibe auf dem Schiff zu Bruch gegangen war, legte der Kapitän mit den Veranstaltern ab, die Journalisten waren weitgehend an Land geblieben. Eigentlich hatte man längst zu einer Bustour durch die Stadt ansetzen wollen, um unter anderem die Moschee im Stadtteil Ehrenfeld zu besuchen, aber der Kapitän weigerte sich, das Schiff wieder in den Hafen zu steuern.

In der Stadt lief unterdessen die Nachrichten über einen ausländerfeindlichen Zwischenfall um. Ein Mann dunkler Hautfarbe sei von den Rechten gejagt worden. Das entsprach aber nicht den Fakten. Wie die Polizei mitteilte, war ein britischer Besucher des rechten Kongresses attackiert worden.

Die Bustour der Rechten fiel dann aus, weil sich die Unternehmer geweigert hatte, ihnen sein Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. Diese Meldung sorgte wiederum vor der Moschee in Ehrenfeld für Heiterkeit, die Konfrontation fand nicht statt. Rings um die Moschee hatten sich längst viele hundert Gegendemonstranten zur Menschenkette versammelt, darunter auch Armin Laschet (CDU), der Integrationsminister aus der Landesregierung. Dessen Urteil über „Pro Köln“ fiel vernichtend aus: „Die Maske ist herunter, das ist keine bürgerliche Truppe, das ist eine rechtsradikale Truppe.“

Nordrhein-Westfalens Integrationsbeauftragter Thomas Kufen (CDU) äußerte sich in der Moscheefrage, die „Pro Köln“ ein bundesweites Echo verschafft hatte, auch kritisch über Kölns Stadtpolitik: „Die gesamte Kommunikation über die Ditib- Moschee ist schiefgelaufen. Weil es einfach schick war, für sie zu sein, fanden selbst die Bürger kein Gehör mehr, die schlicht Fragen zur Parkplatzsituation hatten“, sagte Kufen dem Tagesspiegel. So sei „Pro Köln“ „zum einzigen Ansprechpartner geworden“. „Gerade die Volksparteien müssen sich aber auch um Leute kümmern, die vom Islam womöglich wenig wissen und unsicher sind.“ jz/ade

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