Politik : Auf dem Weg nach Westen

Boris Tadic, Wunschkandidat von EU und USA, hat sich bei der Präsidentenwahl in Serbien durchgesetzt

Markus Bickel[Sarajevo]

Ihre größte Sorge waren die Berater des Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei (DS) schon am Nachmittag los: Um 15 Uhr lag die Beteiligung mit 22,3 Prozent der 6,5 Millionen Wahlberechtigten immerhin 0,3 Prozent über der des ersten Wahlgangs vor zwei Wochen. Die Befürchtung, ihr Kandidat Boris Tadic könnte wegen mangelnder Mobilisierung der eigenen Anhänger gegen den Kandidaten der faschistischen Radikalen Partei (RS), Tomislav Nikolic, verlieren, rückten so in den Hintergrund.

Am Abend zeichnete sich ein Sieg von Tadic ab. Das unabhängige Cesid-Wahlforschungsinstitut teilte auf der Grundlage von Hochrechnungen mit, der demokratische Bewerber habe gut 53 Prozent der Stimmen erhalten. Nikolic kam demnach auf etwa 45 Prozent. Die Wahlbeteiligung liege bei 48,5 Prozent.

Nikolic war zwar am 13. Juni mit knapp über dreißig Prozent der Stimmen als Bestplatzierter aus der ersten Runde hervor gegangen. Doch da der serbische Ministerpräsident Vojislav Kostunica dem Zweitplatzierten Tadic seine Unterstützung trotz inhaltlicher Differenzen zusagte, galt ein Erfolg des prowestlichen Ex-Verteidigungsministers als relativ sicher. US-Politiker und Mitarbeiter der EU hatten sich in den vergangenen Wochen ebenfalls für Tadic stark gemacht, der die Stichwahl auf Kundgebungen zu einer Richtungsentscheidung über Serbiens Zukunft stilisierte. Der Außenpolitische Koordinator der EU, Javier Solana, erklärte am Mittwoch in Brüssel: „Serbien muss so schnell wie möglich der Union beitreten und den Präsidenten kriegen, der der größte Freund der Europäischen Union ist.“

In Hintergrundgesprächen haben EU- und US-Diplomaten vor weit reichenden Konsequenzen gewarnt, sollte Nikolic siegen. Während Tadic auf den baldigen Abschluss eines Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens mit der EU setzt, hat Nikolic wiederholt vor einem Ausverkauf Serbiens an den Westen gewarnt. Sein Vorgänger an der Spitze der Radikalen Partei, Vojislav Seselj, gab das Amt im Vorjahr nach seiner freiwilligen Überstellung an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag auf. Wie Seselj erklärte Nikolic erst vorige Woche, dass er seinen Traum von einem „Großserbien“ nicht aufgebe. Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic hatte zur Stimmabgabe für Nikolic aufgerufen.

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