Politik : Auf den Falschen gesetzt?

Sascha Zeidler

Die Schill-Partei versucht in Sachsen-Anhalt Fuß zu fassen. Fünf Monate vor der wichtigen Landtagswahl im April wurde am späten Montagabend in Magdeburg der erste Kreisverband gegründet. Der eigens dazu angereiste Parteichef, der Hamburger Innensenator Ronald Barnabas Schill, hält weiter an der Führungsrolle des Hamburger Betreibers von Privatkliniken, Ulrich Marseille, für den Parteiaufbau in Sachsen-Anhalt fest. Marseille soll, so Schills Hoffnung, seine Partei als stärkste Fraktion in den Landtag führen. Ob das Unterfangen gelingt, bleibt fraglich: Viele der ursprünglichen Aufbauhelfer Schills in Sachsen-Anhalt sprangen inzwischen ab. Ihnen passt vor allem die umstrittene Person Marseilles nicht.

"Ein Millonär aus Hamburg, wie kommt das denn in Sachsen-Anhalt an", fragt sich etwa Dieter Holzhauer, heute Sprecher der "Rechtsstaatlichen Bürger-Partei". Deren Namensanlehnung an die "Partei Rechtsstaatlicher Offensive" von Schill ist kein Zufall: "Es haben mehr als 80 Prozent der Initiatoren die Partei gewechselt", sagt Holzhauer. Auch er selbst wollte ursprünglich im Schill-Lager mitmischen. Als bekannt wurde, dass Schill Marseille als "Koordinator" für Sachsen-Anhalt einsetzt, war diese Überlegung vom Tisch.

Von Marseille gehe "eine ganz große Gefahr aus", so Holzhauer. Marseille versuche, "über die Politik Einfluss auf seine Geschäfte zu nehmen". So geschehen in Halle: Mitte der neunziger Jahre investierte Marseille dort 75 Millionen Mark in Plattenbausiedlungen. Als sich diese Investition als Verlustgeschäft erwies, verklagte er die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Halle-Neustadt auf mehr als 100 Millionen Mark Schadensersatz. Er verlor in zwei Instanzen. Marseille versuchte sich dann als Finanzier der Mieter-Bürgerliste, um bei der Kommunalwahl 1998 zu retten, was zu retten war. Auch das vergeblich. Parallelen sind dabei zu seinem Stammgeschäft zu sehen: Die Marseille-Kliniken unterhalten zehn Krankenhäuser mit ingesamt 1200 Betten. Diese will Marseille mit rund 100 Millionen Mark fördern lassen.

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