Politik : Auf den Spuren Eberts

Matthias Schlegel

Berlin - Gerade einmal sieben Zeilen war dem „Vorwärts“ am 2. März 1925 der Beschluss des SPD-Parteivorstandes wert, „im Sinne der Lebensarbeit des Entschlafenen“ eine „Friedrich-Ebert-Stiftung“ zu errichten. Zwei Tage zuvor war der Reichspräsident 54-jährig gestorben. 80 Jahre später offeriert die FES, wie sie kurz und bündig genannt wird, ein breit gefächertes politisches Bildungsangebot, unterstützt rund 1500 Studierende jährlich materiell und fördert in etwa 100 Ländern rings um den Erdball Demokratie, Aufbau und Kulturaustausch.

So lässt es sich selbst der dem christdemokratischen Lager entstammende Bundespräsident nicht nehmen, der SPD-nahen Stiftung zum Jubiläum aufzuwarten. Sie habe dazu beigetragen, so Horst Köhler am Montagabend in der Berliner Hiroshimastraße, „die Wurzeln der Demokratie in Deutschland zu festigen“. Und der derzeitige Repräsentant der Deutschen zieht ganz private Parallelen zum sozialdemokratischen Amtskollegen aus der Weimarer Republik: Beide seien als siebtes Kind aufgewachsen, stammten aus einfachen Verhältnissen und hätten zu spüren bekommen, wie ungerecht die Bildungs- und Aufstiegschancen verteilt gewesen seien. Später wird SPD-Partei- und Fraktionschef Franz Müntefering beklagen, dass zwar 75 Prozent der Kinder aus Akademikerfamilien an der Universität ankommen, aber nur zwölf Prozent der Studierenden aus Arbeiterfamilien stammen: „Da bleibt was zu tun.“

Die Internationalität und Ausstrahlungskraft der Stiftungsarbeit zu würdigen, waren honorige Laudatoren angereist. Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer sagte, das Studium der Bildungsarbeit der FES habe in seinem Land die Gründung politischer Akademien ermöglicht. Und Louise Fréchette, stellvertretende UN-Generalsekretärin, sah in der Stiftung einen „wunderbaren Partner der Vereinten Nationen“, was die stellvertretende Generalsekretärin des südafrikanischen ANC für ihre Bewegung bestätigte.

Husnia Baraki hatte als Kind in Afghanistan davon geträumt, Ärztin zu werden. Nach der Flucht aus dem Land wurde es ihr als FES-Stipendiatin möglich. Ihr Schlusswort erhält den meisten Beifall: Sie hoffe, dass in Zukunft ein kleines Mädchen, das in Afghanistan einen großen Traum habe, ihn auch in Afghanistan verwirklichen könne.

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