Politik : Auf der Seite der Besatzer

Wie Reporter im Irak arbeiten

Esther Kogelboom

Diese Szene kann doch nicht wahr sein. Sie wurde von dem Reuters-Fotografen Arko Datta und einem Reuters-Kollegen in der irakischen Stadt Tikrit aufgenommen und zeigt einen Polizisten sowie einen amerikanischen Soldaten des 720. Bataillons, die ein Haus nach Hinweisen auf den Aufenthaltsort von Saddam Hussein durchsuchen. Der Junge im Vordergrund scheint weiterzuschlafen, während ihm der Polizist die Decke wegzieht. Sehr wahrscheinlich ist diese Szene aber nicht arrangiert.

Die Nachrichtenagentur Reuters erklärt, dass bei Razzien noch immer so genannte „embedded journalists“ arbeiten, die an der Seite der US–Besatzer die Jagd nach dem gestürzten Ex-Diktator dokumentieren. Auch die Agentur AP bestätigt das. „Die Fotografen sind genauso ausgestattet wie Soldaten“, heißt es bei AP, „sie schießen nicht mit dem Gewehr, sondern mit der Canon.“ Die New Yorker AP-Zentrale lässt ihren Reportern in Bagdad freie Hand, auch nach dem offiziellen Ende der Kampfhandlungen im Irak weiterhin „embedded“ zu arbeiten. Nur so könne die Teilnahme an der Suchaktion überhaupt möglich sein, erklärte ein AP-Mitarbeiter. Während des Afghanistankrieges war diese Art der „teilnehmenden“ Berichterstattung heftig in die Kritik geraten, weil sie vor allem die US-Sichtweise berücksichtigt.

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