Politik : Auf der Suche nach den verlorenen Daten

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Von Martin Gehlen

Der Sozialverband VdK fordert, die Verursacher der Renten-Computerpanne bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) zu bestrafen. VdK-Präsident Walter Hirrlinger sagte der „Bild“-Zeitung: „Die Verantwortlichen für die Panne müssen vom Bundesarbeitsminister zur Verantwortung und Rechenschaft gezogen werden. Sie haben der Sozialversicherung schweren Schaden zugefügt, weil die Versicherten ihr Vertrauen in die Lauterkeit der Rentenversicherung verlieren können.“

Bei der BfA wurden im Sommer 2000 die Daten über Beitragszahlungen der Bundesanstalt für Arbeit für rund eine halbe Million Arbeitslose versehentlich gelöscht. Die Rentenzahlungen zwischen dem 24. Juli und dem 8. September wurden zwar pauschal von Nürnberg nach Berlin überwiesen, die Paralleldaten über die Verteilung auf die Konten der Versicherten jedoch versehentlich vernichtet. Als Folge davon weisen die Versicherungsverläufe der Betroffenen in dem fraglichen Zeitraum im Moment eine Lücke auf, obwohl für sie Geld eingezahlt worden ist. Wäre der Fehler nicht aufgefallen, bekämen diese Menschen im Ruhestand eine niedrigere Rente, als ihnen zustünde.

Die BfA hat nach eigenen Angaben inzwischen alle ihre Sachbearbeiter darüber informiert, bei Rentenanträgen auf solche Lücken zu achten und Zahlungen während solcher Fehlzeiten nachzutragen. Bei allen anderen Versicherten sollen die Daten, wenn sie von der Bundesanstalt für Arbeit erneut angeliefert worden sind, automatisch nachgetragen werden.

Die BfA hatte 2000 die Software ihrer Computer umgestellt und dadurch die Panne ausgelöst. Im Dezember 2000 wandte sich die Versicherungsanstalt nach Nürnberg und bat um eine Rekonstruktion der verloren gegangenen Daten. Gleichzeitig bat die BfA den Vorstand der Bundesanstalt für Arbeit darum, den Vorgang „strikt vertraulich“ zu behandeln, um die Betroffenen nicht zu verunsichern. Die betroffenen Bürger wurden deshalb von dieser Panne nicht unterrichtet.

Bislang sind die fehlenden Daten noch nicht vollständig nachgetragen. Die Sicherungskopien in Nürnberg aus dem Jahr 2000 existieren nicht mehr und die gelöschten Angaben müssen teilweise mühsam bei den einzelnen Arbeitsämtern erfragt werden.

Die BfA versicherte erneut, dass durch die Panne keine einzige Rente falsch berechnet werde. Wer in nächster Zeit seine Rente beantragt oder sein Rentenkonto klären lässt, dessen Datenlücken werden von den Sachbearbeitern in den Versicherungsverläufen ergänzt. Allen anderen Versicherten, die noch nicht das Rentenalter erreicht haben, sagte die BfA zu, die fehlenden Angaben so schnell wie möglich nachzutragen.

Der Computerfehler im Kontensystem ist inzwischen behoben. Wie lange das Nachtragen der Daten jedoch noch dauern wird, weiß zurzeit niemand. Betroffene, die ihr Rentenkonto klären wollten, könnten dies unter der kostenlosen Info-Telefonnummer 0800-3331919 der BfA tun.

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