Politik : Auf die Beine

Die neue FPÖ-Spitze will zurück zu alten Erfolgen – ohne Haider

Paul Kreiner[Salzburg]

Aufrufe zur Geschlossenheit und Signale bleibender Spaltung haben den Sonderparteitag geprägt, mit dem die FPÖ am Sonntag auf die desaströse Niederlage bei der österreichischen Parlamentswahl antworten wollte. Streitpunkte waren die künftige Rolle Jörg Haiders in der Partei sowie die Frage, ob die Freiheitlichen wieder eine Regierungsbeteiligung anstreben sollten. Abgesehen von der Wahl des neuen Parteichefs – die Person des bisherigen Sozialministers Herbert Haupt war das einzig Unumstrittene bei dem Treffen in Salzburg – wurden weitere Personalfragen wegen offenkundiger inhaltlicher Differenzen auf den Januar vertagt.

Der 58-jährige Kärntner Tierarzt Haupt, der die Partei in die Parlamentswahl geführt hatte, wurde mit 87,8 Prozent der Stimmen zum neuen FPÖ-Vorsitzenden gekürt. Haupt gilt als enger Vertrauter Haiders, versuchte bei seiner Rede aber in einer sichtlich mühsamen Gratwanderung, sich als „Freund“ Haiders darzustellen und gleichzeitig eine selbstständige die FPÖ ohne Haider neu zu etablieren. Haupt sagte, Haider habe mit seinem faktischen Rückzug aus dem Bundesvorstand – dem er satzungsmäßig weiter angehört – „den Weg in die Zukunft aus eigenen Stücken frei gemacht. Wir dürfen selbst gehen lernen.“ Haider werde aber Landeshauptmann in Kärnten bleiben, „weil das Volk dort zu ihm steht“. Haupt sprach sich für eine erneute Koalition mit der ÖVP aus.

Als Ursache für die Wahlniederlage nannte Haupt die „Streitereien“ in den eigenen Reihen, verzichtete aber auf direkte Schuldzuweisungen: „Die größte Niederlage in der Geschichte haben wir uns selbst beigebracht, weil wir, die in Spitzenfunktionen gesessen sind, dort versagt haben.“ Als Rezept für die Zukunft nannte Haupt die „Rückkehr zu den freiheitlichen Urwurzeln: Einigkeit, Freundschaft, Kameradschaft, Ehrlichkeit.“

In den Wortmeldungen vieler Delegierter zeigte sich, dass sie mit einem Rückzug Haiders auf Kärnten nicht zufrieden sind. Gegeißelt wurden vielfach die Kritiker, „die Haider in den Rücken gefallen sind“, der die Partei „unter größten persönlichen Opfern“ aufgebaut habe. Eine Minderzahl der Delegierten verlangte, Haider solle künftig auf „Querschüsse" verzichten: „So geht es ja nicht mehr weiter.“ Diese Äußerung stießen auf lautstarken Protest im Saal.

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