Politik : Auf die Zukunft

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Politiker, die aus ihrem Alltagstrott ausbrechen und sich einmal Zeit für die Fortbildung nehmen: Wer wäre nicht dafür? Lebenslanges Lernen erwarten wir auch von unseren Volksvertretern. Praktisch ist derlei schwierig. Das merken Organisationen wie der German Marshall Fund (GMF). Mal für ein paar Tage in die USA, auch mal für wenige Wochen: Das ist drin. Mehr geht meist nicht. Außer natürlich, ein Politiker ist ohnedies herausgerissen aus seinem Alltagstrott.

So wie Cem Özdemir. Der Grüne legte im Juli 2002 seine Ämter nieder, weil ihm die Kontrolle über die eigenen Finanzen ziemlich entglitten war. Seit Februar 2003 ist Özdemir nun „Transatlantic Fellow“ des GMF, jener US-Einrichtung also, die sich aus einer deutschen Schenkung finanziert, welche wiederum der Dank der Bundesrepublik für den Marshall-Plan war. Nun hat der GMF gerade Özdemirs Stipendium als Fellow bis zum Dezember verlängert. Die letzten Monate wird der schwäbische Deutsch-Türke in Brüssel sein, dem zweiten Sitz des GMF – auf dessen Vorschlag hin. Eben dies sorgt nun für Aufregung. Denn Özdemir möchte 2004 ins Europaparlament gewählt werden.

Ebnet der GMF ihm also den Weg zurück in die Parteipolitik? Es sei völlig normal und Sinn des Programms, dass Fellows ihr Wissen und ihre Netzwerke zurück in die Politik nehmen, meint Özdemir. Das stimmt. Und richtig ist auch, dass US-Einrichtungen wie der Marshall Fund ohne spitze Finger mit Politikern aller Parteien umgehen, die vorübergehend in die Welt der Think-Tanks eintauchen. Dem GMF geht es um Leute mit Zukunft. Fortbildung ist schließlich eine Investition. Ob sich die in Özdemir lohnt, entscheidet der Wähler.

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