Politik : Auf Drängen des Papstes

Opus-Dei-Gründer heilig gesprochen – 250 000 Gläubige kamen

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Von Thomas Migge, Rom

Josemaria Escriva de Balaguer liebte Rom. 29 Jahre lang, bis zu seinem Tod im Jahre 1975, lebte er in der Stadt am Tiber. Rom, das war für de Balaguer, „universal, katholisch, hier lebt der Papst, der süße Christus, auf der Welt“. Am Sonntag wurde der Spanier in Rom heilig gesprochen – der Gründer von Opus Dei, jener religiösen Organisation, die bis heute als eine der straff organisiertesten der katholischen Kirche gilt.

Mehr als 250 000 Gläubige waren nach Rom gereist. Rund 1000 Polizisten bewachten den Petersplatz, oft getarnt als Priester und Mönche. Sie sollten das Gebiet des Vatikans und weite Teile der römischen Innenstadt vor einem möglichen Attentat bewahren. Ihr besonderes Augenmerk aber galt dem Platz vor dem Petersdom. Hier hatte sich neben Pilgern auch viel Prominenz eingefunden, darunter Filmschauspieler wie Alberto Sordi und Spitzenpolitiker wie Giulio Andreotti und weitere Repräsentanten von Staat und Regierung.

Die von Papst Johannes Paul II. zelebrierte Messe zur Heiligsprechung war der Höhepunkt tagelanger Feierlichkeiten zu Ehren des Opus-Dei-Gründers. Der Papst gilt als großer Verehrer des Spaniers. Johannes Paul II. war offenbar persönlich sehr daran gelegen, dass noch während seines Pontifikats de Balaguer zu Altarwürden gelangte. Escriva de Balaguer war bereits nach einer ungewöhnlich kurzen Zeit – im Mai 1992, nur 17 Jahre nach seinem Tod – selig gesprochen worden. Dass er nun zehn Jahre später bereits in den Heiligenstand erhoben wurde, kommentierte Antonio Politi, Vatikanexperte der Tageszeitung „La Repubblica“, folgendermaßen: „Dieser Papst trieb seine Bürokratie an, um das Heiligsprechungsverfahren zu beschleunigen.“

Allerdings verlief das Verfahren nicht so reibungslos, wie Opus Dei es sich erhofft hatte. Ehemalige Mitarbeiter von Escriva de Balaguer berichteten in den Medien über autoritäre Zustände innerhalb des Opus Dei, die, so Politi, „den Gründer der Gemeinschaft in Verruf brachten“. Im Vatikan ließ man sich dadurch aber nicht beirren und, so Politi, „boxte die Heiligsprechung gegen jedes Wenn und Aber durch“.

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