Politik : Auf ein Neues

Udai Hussein, der in Ungnade gefallene älteste Sohn des irakischen Staatschefs, will wieder auf die politische Bühne zurück

Andrea Nüsse[Amman]

Extravagante Kleidung und Autos sind noch immer sein Markenzeichen. Udai Hussein, der älteste Sohn von Staatschef Saddam Hussein, gilt als Lebemann. Zur Stimmabgabe beim Referendum, das seinen Vater mit 100 Prozent im Amt bestätigen sollte, fuhr der 37-Jährige am 15. Oktober in einem roten Sportwagen der Marke Rolls Royce vor, gekleidet in einen weißen Anzug. Doch Udai versucht mehr und mehr, sich auch als gereifter Politiker zu präsentieren. Im Jahr 2000 ließ er sich in das irakische Parlament wählen, wo er am Dienstag per schriftlicher Erklärung von sich reden machte. Udai empfahl den Abgeordneten, die UN-Abrüstungsresolution anzunehmen. Dass die Parlamentarier seinen Rat in den Wind schlugen und geschlossen gegen die Resolution stimmten, war nach Ansicht von Beobachtern jedoch vom Hussein-Klan geplant: Dem Ausland sollte suggeriert werden, dass das irakische Volk die Resolution ablehnt.

Udai Hussein hat sich schon früh den Ruf eines arroganten und brutalen Unruhestifters erworben. So berichtet der Saddam-Biograph Said Aburish, dass Udai nach der Machtübernahme seines Vaters 1979 mit Waffen in die Schule kam und seine Bodyguards mit in den Unterricht nahm. Obwohl er als nicht besonders intelligent gilt, gelang es ihm, einen hervorragenden Abschluss an der Ingenieursfakultät der Universität Bagdad zu erwerben. Seine ausgelassenen Parties, bei denen er nach Belieben Frauen aussuchte, die sich oft nicht trauen, seine Avancen zurückzuweisen, waren Stadtgespräch. Dennoch machte ihn sein Vater zum Direktor des irakischen olympischen Komitees und hatte ihn wohl lange als Nachfolger vorgesehen.

Zu ersten Zerwürfnissen zwischen Vater und Sohn kam es jedoch, als Udai 1988 bei einem Empfang den Vorkoster seines Vaters tötete. Dafür kam Udai zunächst ins Gefängnis und wurde dann in die Schweiz ins Exil geschickt. Doch wenige Monate später „vergab“ Saddam Hussein seinem Sohn, und Udai durfte zurückkehren. Später soll Udai seinem Onkel, Innenminister Watban, den er als Rivalen bei seinem politischen Aufstieg ansah, ins Bein geschossen haben.

Doch im Dezember 1996 wurde Udai selbst Opfer von Gewalt. In einer belebten Straße in Bagdad griffen Unbekannte seinen Konvoi an, erschossen drei Begleiter und verletzten Udai schwer. Seit diesem Anschlag scheint Saddam Hussein endgültig seinen jüngeren Sohn Qusai als Nachfolger aufzubauen.

Udai konzentriert sich nun darauf, ein Medien- und Wirtschaftsimperium aufzubauen. Dazu gehört auch die Tageszeitung „Babel" . Diese veröffentlichte 1998 als „Beilage“ die 300 Seiten lange Doktorarbeit des Präsidentensohnes in politischen Wissenschaften. Darin sagte Udai voraus, dass die Vereinigten Staaten im 21. Jahrhundert ihre Vorherrschaft in der Welt verlieren werden.

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