Politik : Auf eisigem Terrain

Wolfgang Ischinger wird EU-Kosovo-Beauftragter

Caroline Fetscher

Berlin - Staatlich geprüfter Skilehrer ist er, der Diplomat. Seine Erfahrungen mit Kälte, Gipfeln, Glatteis und steilen Bergpässen könnten Wolfgang Ischinger zugute kommen in seiner neuen Position. Der gebürtige Württemberger, Jahrgang 1946, soll die Europäische Union bei den anstehenden Verhandlungen mit Russland und den Vereinigten Staaten um die Zukunft des Kosovo vertreten. Im UN-Sicherheitsrat war unlängst eine neue Resolution zum Kosovo an Russlands vorab erklärtem Veto gescheitert. Das Gelände zwischen dem Westen und Putins Reich wirkt in dieser Frage frostig und unwegsam. Ein neuer Vermittler wird Spielraum überhaupt erst neu herstellen müssen. Nun hat der EU-Außenbeauftragte Solana den derzeit als deutscher Botschafter in London amtierenden Ischinger mit dieser Aufgabe betraut.

Zum Werdegang des Wolfgang Ischinger, der in Genf, Bonn und Harvard Völkerrecht, Politikwissenschaften und Makroökonomie studierte, gehörte gleich zu Beginn eine Umgebung der Global Players. Nach der akademischen Ausbildung absolvierte er zwei Lehrjahre in der Weltpolitik auf der obersten Etage der Vereinten Nationen, im Kabinett des Generalsekretärs. Seit Ischinger dann 1975 beim Auswärtigen Amt in Bonn angeheuert hatte, machte eine Regierung nach der anderen von seinem schnellen, klaren Verstand Gebrauch. Dabei blieb er, ob als persönlicher Referent von Außenminister Genscher oder als Staatssekretär, meist diskret und loyal im Hintergrund. Das änderte sich erst als Botschafter in den USA, 2001 bis 2006. Den Tag seines Amtsantritts in Washington wird Ischinger nicht vergessen: Es war der 11. September 2001. In der Folge, vor allem beim Konflikt um den Irakkrieg, wusste er sein Land im erzürnten Washington mit Fassung, Freundlichkeit und Festigkeit zu verteidigen.

Dass Ischinger, ein Transatlantiker par excellence, 1995 gemeinsam mit Washingtons Topdiplomat Richard Holbrooke am Dayton-Abkommen gearbeitet hatte, hing er nicht an die große Glocke. Während der Kosovokrise und der humanitär-militärischen Nato-Intervention 1999 spielte Ischinger eine aktive Rolle, vor allem, als es darum ging, die schon damals verärgerte russische Regierung zu einer gemeinsamen Haltung mit Europa und den USA zu bringen. So entstand der Friedensplan der G-8-Länder, und auch die erste UN-Kosovo-Resolution wurde möglich, Resolution 1244. Mit ihr kam die südserbische Provinz im Sommer 1999 unter internationale Verwaltung, doch den Kosovo-Albanern, die 90 Prozent der zwei Millionen starken Bevölkerung ausmachen, bietet der Status quo keine Garantie mehr für Zukunftsperspektiven, während sich die Titularnation Serbien an ihr Territorium klammert und dabei auf das befreundete Russland vertraut. Ein Gruppentrio aus Vertretern der EU, Russlands und der USA soll den Karren nun aus dem Dreck ziehen helfen und vor allem erneute Eskalationen in den ex-jugoslawischen Teilen Südosteuropas verhindern. Wolfgang Ischinger wird alle Hände voll zu tun haben.

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