Politik : Auf Saddams Konto

In der Schweiz liegen viele Milliarden aus dem Irak – als Strohmann gilt der Halbbruder des Diktators

Jan Dirk Herbermann[Genf]

Saddam Hussein ist einer der reichsten Männer des Orients. In mehr als drei Jahrzehnten Herrschaft über das Land mit den zweitreichsten Ölreserven der Welt raffte der Diktator nach einem Bericht des US-Kongresses ein Vermögen von rund sechs Milliarden Dollar zusammen. Jetzt haben die USA nach den Worten von Finanzminister John Snow auch eine „Finanzoffensive“ gegen das Regime Saddams gestartet. In einem Rundbrief fordert die Bush-Regierung weltweit Behörden auf, „alle irakischen Regierungsguthaben zu identifizieren, zu blockieren und zu einem späteren Transfer zugunsten des irakischen Volkes vorzubereiten“. Genauso müsse mit „deliktisch erworbenen Guthaben Saddam Husseins und seines Regimes verfahren“ werden. Denn für Washington ist die Grenze zwischen Staatsvermögen und Privatvermögen des Tyrannen fließend.

In mindestens 13 Ländern hat das Regime Vermögenswerte gebunkert – auch in der Schweiz. Die Statistik der Nationalbank in Bern weist Verpflichtungen eidgenössischer Banken gegenüber dem Irak in Höhe von 462 Millionen Franken aus. Darüber hinaus existieren Treuhandverpflichtungen in Höhe von 48 Millionen Franken. Laut Finanzminister Kaspar Villiger aber gibt es „keinen Anlass zu glauben“, Saddam habe persönlich Konten in der Schweiz angelegt. Der Diktator dürfte das Geld über Strohmänner angelegt haben.

Die Hauptrolle in der Swiss-Connection Saddams spielt dessen Halbbruder Barzan Al Tikriti. Der war mehrere Jahre UN-Botschafter des Iraks in Genf. Die diplomatische Immunität soll er weidlich ausgenutzt haben. „Barzan war der Schatzmeister“, sagt Jean Ziegler. Der Genfer Experte für Raub- und Blutgeld hat die irakischen Finanzströme in den letzten Jahren intensiv verfolgt: „Auch Saddams Sohn Udai, der ebenfalls in Genf lebte, hatte seine Finger im Spiel.“ Udai musste das Land verlassen, nachdem er in einem Genfer Lokal einen Gast mit einem Messer bedrohte. Sein Onkel wartete vergeblich auf die Verlängerung seines Visums. Laut Ziegler hatten die beiden dennoch genug Zeit, einen gehörigen Teil der Erlöse aus dem staatlichen organisierten Ölschmuggel auf Schweizer Konten zu dirigieren. Bislang konnten aber noch keine Banken der Kollaboration mit dem Regime überführt werden.

Die Bundesanwaltschaft in Bern ermittelt derzeit nicht. „Ich wüsste nicht, unter welchem strafrechtlichen Titel wir hier vorgehen sollten“, sagt deren Sprecher. Im Außenministerium wird betont, das irakische Vermögen in der Schweiz sei bereits 1990 blockiert worden. Damals, kurz nach dem Einmarsch von Saddams Truppen in das Ölscheichtum Kuwait, hatte der UN-Sicherheitsrat das Einfrieren sämtlicher Auslandsguthaben beschlossen. „Daran halten wir uns natürlich noch immer“, sagt eine Außenamtssprecherin.

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