Auf Sieg gesetzt : Wie es in der Nach-Gaddafi-Ära weitergeht

Die Residenz Gaddafis fällt – das Land steht am Scheideweg. Schon jetzt ist klar: Nato und Vereinte Nationen werden beim Wiederaufbau in Libyen eine entscheidende Rolle spielen. Was plant der Westen für die Zeit nach Gaddafi?

von und
Am Mittwochabend (12.10.2011) verkündete der Nationale Übergangsrat in Tripolis, dass der Sohn des langjährigen Machthabers, Mutassim Gaddafi, während der Kämpfe in Sirte in die Hände der Aufständischen gefallen sein soll.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dpa
12.10.2011 23:51Am Mittwochabend (12.10.2011) verkündete der Nationale Übergangsrat in Tripolis, dass der Sohn des langjährigen Machthabers,...

Am Dienstagabend überschlugen sich die Ereignisse, als die Rebellen das Hauptquartier von Muammar al Gaddafi stürmten. Auch wenn zunächst unklar war, wo sich Gaddafi aufhielt, war das Ende seines Regimes zu diesem Zeitpunkt schon besiegelt. Sein Schicksal hatte nur noch symbolische Bedeutung. Längst befassten sich sowohl Libyens Übergangsrat als auch die Weltgemeinschaft mit der Frage, wie es in der Nach-Gaddafi-Ära weitergeht.

Welche Pläne hat die Nato für die Zeit nach Gaddafi?

Bereits am Freitag hatte der Nordatlantikrat die Militärs beauftragt, für die offensichtlich bald anbrechende Zeit nach Gaddafi in die Detailarbeit einzusteigen. Die Botschafter haben klare Voraussetzungen dafür definiert, dass die Nato auch dann noch in Libyen aktiv sein wird. Es geht um die Ausbildung von Sicherheitskräften und den Aufbau neuer militärischer Strukturen – so wie die Nato das mit vielen Partnerländern praktiziert. Das westliche Bündnis will die Führungsrolle an die Vereinten Nationen abgeben. Auch die Unterstützung durch die Nachbarländer sowie die Afrikanische Union gilt als zwingend. Verlangt wird zudem ein rechtlich wasserdichtes Mandat – entweder in Gestalt einer Anfrage der Übergangsregierung oder einer neuen UN-Resolution.

Diese Männer könnten den Übergang vollziehen
Die libysche Übergangsregierung in Bengasi strebt nach der Macht für die Zeit nach dem Gaddafi-Regime. Doch wer kann das Land führen? Seit Beginn des Bürgerkrieges sind viele ehemalige Gaddafi-Getreue übergelaufen. Der Nahost-Experte Udo Steinbach rechnet damit, dass die in den Nationalen Übergangsrat gewechselten Vertreter des alten Regimes noch eine Weile eine gewisse politische Rolle spielen werden, aber früher oder später abtreten. Ihre Aufgabe sei nun, den Machtübergang so zu organisieren, dass alle Libyer das Gefühl haben, partizipieren zu können.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Reuters
23.08.2011 10:02Die libysche Übergangsregierung in Bengasi strebt nach der Macht für die Zeit nach dem Gaddafi-Regime. Doch wer kann das Land...

Wie sind die Kompetenzen zwischen UN und Nato geregelt?

Die Frage nach einem neuen Mandat der UN könnte sich sehr schnell stellen – wenn sich abzeichnen sollte, dass Gaddafis Truppen zwar offiziell geschlagen sind, Teile von ihnen aber in einer Art Guerillakrieg weiterkämpfen sollten. Die Militärführung um den kanadischen General Charles Bouchard soll daher in den nächsten Tagen prüfen, „wie groß die Widerstandsnester noch sind“, heißt es in Nato-Kreisen. Sollte die Übergangsregierung das Bündnis bitten, den Widerstand auszuschalten, gäbe es ein Problem: das ohnehin überdehnte Mandat, das eigentlich nur den Schutz der Zivilbevölkerung und eben keine Parteinahme vorsieht, geriete endgültig an seine Grenze. In Brüssel ist von einem möglicherweise notwendigen „Erzwingungsmandat“ die Rede.

Ein Sieg der Rebellen war nicht eingeplant. Das erschwert die Zukunftsplanung. Lesen Sie weiter auf Seite 2.

Seite 1 von 2
  • Wie es in der Nach-Gaddafi-Ära weitergeht
  • Seite
Artikel auf einer Seite lesen

16 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben