Politik : Auf Trümmern gebaut Eine Klinik ist das größte deutsche Hilfsprojekt

Moritz Kleine-Brockhoff[Banda Aceh]

Dr. Rus Munandar geht es besser. Die Ringe unter den Augen sind nicht mehr so dunkel, er lacht wieder. Der nette Mann mit dem Kraushaar geht wieder ohne Hast. „Ich arbeite nur noch elf Stunden am Tag“, sagt der Direktor von Banda Acehs Zainoel Abidin Krankenhaus, „es läuft alles so unglaublich rund.“ Banda Aceh liegt im Norden der indonesischen Insel Sumatra. Die Region wurde am härtesten vom Tsunami getroffen.

In den ersten Monaten nach der Katastrophe hatte Rus fürchterlich geschuftet, um den Krankenhausbetrieb wieder in Gang zu bringen. Zum Schlafen legte er sich im Büro auf die Couch. Die Flutwelle aus Matsch und Trümmern hatte alles verwüstet. „Damals glaubte ich nicht, dass man das wieder in Ordnung bringen kann. Vor allem mit Hilfe aus Deutschland ist jetzt vieles wieder gut.“

Die Poliklinik in Banda Aceh dürfte Deutschlands größtes Tsunami-Projekt sein. Kurz nach der Katastrophe war die Bundeswehr mit 630 Soldaten und 250 Tonnen Material gekommen und hatte auf dem Vorplatz eine mobile Klinik aufgebaut. Das kostete samt Unterstützung durch das Marineschiff „Berlin“ 15 Millionen Euro. Dann übernahmen die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Mit weiteren Millionen halfen sie bei Reparaturen, der Renovierung der Klinik und der Verbesserung der Ausrüstung. Das große Gebäude neben dem Haupteingang ist fast fertig. In den Fluren streichen Bauarbeiter die Wände.

Das nächste Projekt dürfte noch größer werden: „Dieser Bau bleibt eine Lehreinrichtung. Für die Patienten wird Deutschland nebenan für 34 Millionen Euro ein neues Krankenhaus bauen“, sagt Rus, „bald kommt die Baugenehmigung, im Juni geht es los.“ Damit würden insgesamt über 50 Millionen Euro aus Berlin fließen, etwas mehr als in Deutschlands anderes Großprojekt, den Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems.

Spätnachmittag im Abidin Krankenhaus: In der Kardiologie haben drei Mitarbeiter von GTZ und KfW kleine Büros eingerichtet. Auch Entwicklungshelfer aus Australien sind da. Nach der ersten Notphase, in der zwei Dutzend Länder halfen, hatten Deutschland und Australien mit Rus vereinbart, dass sich nur noch die beiden Staaten um sein Krankenhaus kümmern. Dabei gab es Spannungen, die sich aber gelegt haben sollen. Anfang Dezember jedenfalls kam Australiens Außenminister Alexander Downer zur Einweihung der Notaufnahme, die sein Land gebaut hat. „Es geht voran“, sagt Wolf Wagner von der GTZ. Er und seine Kollegen helfen auch in anderen Teilen Acehs. „Wir wollen die Qualität im gesamten Gesundheitswesen verbessern“, sagt er.

Zwei Häuser neben den Büros der Deutschen steht Assistenzarzt Reza vor den Schwingtüren zur Intensivstation. Die Bundeswehr hatte sie mit eigenem Gerät eingerichtet und als Abschiedsgeschenk da gelassen. Drinnen piepst ein Monitor, eine Krankenschwester hängt einen Infusionsbeutel auf ein Gestell. Eine junge Patientin liegt unter einer dünnen Decke. „Komplikationen nach Kaiserschnitt. Aber das wird wieder. Und das Baby ist okay“, sagt Reza. Er strahlt.

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