Aufbereitungsanlage : Hilfe für Birma Versickert wie Wasser

Ein Jahr nach dem Zyklon in Birma: Warum eine deutsche Aufbereitungsanlage im Wert von 1,3 Millionen Euro verrottet.

Richard Licht[Bogale]

Staub. Überall Staub. Auf den Pumpen, auf dem Gebirge aus Alu-Kisten, auf der Waschtischbatterie, auf den mächtigen himmelblauen Bassins. So sieht ein Jahr nach dem verheerenden Zyklon Nargis die Wasseraufbereitungsanlage aus, die das Technische Hilfswerk (THW) der Stadt Bogale im Todesdelta von Birma überlassen hat. Rund 140 000 Menschen starben nach offiziellen Schätzungen – genau weiß das wohl niemand, zum Teil löschte der Wirbelsturm mit seiner Riesenwelle ganze Dörfer aus. 2,4 der rund 4,7 Millionen Menschen im Delta waren betroffen. Wochenlang hatten damals die Helfer aus Deutschland in Rangun warten müssen, bis die Militärregierung ihrem Einsatz im Irrawaddy-Delta zustimmte.

Eine Anlage baute das THW damals am Hafen in Bogale auf. Mehrere Wochen bereiteten die Deutschen Wasser für die Opfer auf. Die offenen Teiche, aus denen die Menschen ihr Trinkwasser schöpfen, hatte Nargis in der Nacht vom 2. auf 3. Mai mit Salzwasser überzogen. In der Region Bogale leben rund 286 000 Menschen, allein hier zählten sie 17 000 Tote und mehr als 56 000 Vermisste, viele Leichen wurden nie identifiziert. Im Moment ist Trockenzeit in Birma – und sauberes Trinkwasser haben sie in Bogale auch heute nicht. In vielen der Auffangbecken steht nicht mehr viel Wasser. Fließend Wasser oder gar eine Abwasserversorgung gibt es nicht.

Warum läuft die THW-Anlage dann nicht? Ein junger Mann verschwindet in einer Ecke der Halle und wirft ein schwarzes Säckchen auf den Boden. „Aktiv-Kohlepulver“ steht auf einem Aufkleber. Das hätten sie nicht mehr gehabt, sagt er. Und ab Oktober habe niemand mehr für Wasser angestanden. Der Chef der Truppe, die damals ausgebildet worden sei, um die Anlage weiterzubetreiben, sei längst nach Rangun zurückgekehrt. Nach der Regenzeit seien die Teiche schließlich wieder gut gefüllt gewesen.

Hat mal jemand bei den Deutschen nach Aktivkohle gefragt? Der junge Mann glaubt nicht. Stattdessen ist die Anlage offenbar ausgeweidet worden. Das UN-Entwicklungsprogramm habe einen Tank bekommen, eine andere Hilfsorganisation einen anderen Teil, berichtet einer. Auf dem Amt gebe es aber eine Liste, da sei vermerkt, wer was ausgeliehen habe. So rottet die Anlage vor sich hin. Bei der Übergabe war das Material aus Deutschland nach Angaben des Auswärtigen Amtes 1,3 Millionen Euro wert.

Vor der Tür leuchtet ein großer blauer Generator in der Sonne. Unter den THW-Schriftzug hat jemand OV Kamen- Bergkamen geschrieben. Das war Walter Thiel. Der 52-Jährige ist Mitglied der Wasserspezialeinheit für Auslandseinsätze, SEEWA. Er ist längst in Deutschland zurück. „Ich hab das draufgeschrieben. Falls der mal zurückkommt“, verrät der stellvertretende Ortsbeauftragte am Telefon. „Die Zeit in Bogale war anstrengend, aber nicht befriedigend, weil wir erst Wasser produziert haben, als sie eigentlich schon wieder genug hatten“, erinnert sich Thiel. Außerdem hätten sie kaum Behälter gehabt, um Wasser zu verteilen. Statt möglichen 200 000 Liter Wasser hätten sie am Tag nur knapp 30 000 aufbereitet.

„Wenn der Motor nicht bald mal wieder läuft, können sie die Maschine bald komplett abschreiben“, ärgert sich Rainer Eckart von der Deutschen Welthungerhilfe. „Der Generator allein dürfte 50 000 Euro wert sein.“ Eckart ist seit einigen Wochen für das Wasser- und Sanitätsprogramm der Deutschen Welthungerhilfe in Bogale zuständig. Er würde die THW-Anlage gerne nutzen. „Wir brauchen hier dringend sauberes Wasser“, sagt der 57-Jährige. Die Wasserauffangteiche nennt er „eine einzige Sauerei“ – da wimmele es von Mikroorganismen. Walter Thiel wird deutlicher: „Da kacken die Kühe direkt rein.“ Und es gibt schon wieder Durchfallerkrankungen. Die Stadtverwaltung hat bei Eckart schon wieder nach sauberem Trinkwasser gefragt. Eckarts Chef in Rangun, Gerrit Gerdes, könnte sich vorstellen, die beiden Auffangteiche neben der Halle zu vertiefen und als langfristiges Reservoir zu sichern, damit in Bogale jederzeit frisches Wasser aufbereitet werden kann.

In Eckarts Kopf reift ein Plan: Wenn er eine Liste mit allen Teilen der Anlage hätte und noch einmal ein THW-Mitarbeiter käme, um sie in Gang zu bringen, könnte die Welthungerhilfe sie betreiben. Der damalige Einsatzchef des THW, Stephan Mack, macht Eckart Hoffnung. „Wir wollten eigentlich schon Ende 2008 noch mal hinfahren. Das könnten wir ja jetzt nachholen und die Anlage wieder ans Laufen bringen.“

Morgen im Tagesspiegel: Reportage über die Lage in Birma von Richard Licht

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