Politik : Aufenthalt der Geisel offenbar bekannt

Kandahar/Berlin - Entgegen Äußerungen der Taliban geht es der deutschen Geisel in Afghanistan nach Informationen der ARD „den Umständen entsprechend gut“. Das ARD-Hörfunkstudio in Kabul berichtete, der Mann werde allerdings am siebten Tag der Geiselnahme nach mehreren Fußmärschen offenbar schwächer. Es gebe aber regelmäßig Kontakt zu ihm. Der deutsche Ingenieur, mindestens vier afghanische Kollegen und die Entführer seien inzwischen in den Bergen der südöstlichen Provinz Ghasni. Sie bewegten sich nur noch selten und kurze Strecken zu Fuß auf etwa 3000 Metern Höhe.

Laut ARD kennen die Behörden den Aufenthaltsort der Geiseln. Afghanische Sicherheitskräfte seien in dem Gebiet, griffen aber nicht ein. Konkrete Forderungen der Entführer gebe es noch nicht. Die Taliban behaupteten, der Deutsche sei schwer krank und ohne medizinische Versorgung. Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich empört darüber, dass die Taliban das Schicksal der Geiseln instrumentalisierten. Es gibt erhebliche Zweifel daran, dass sich die Geisel tatsächlich in der Hand der Taliban befindet.

Das Ultimatum der Taliban zur Freilassung von 23 südkoreanischen Geiseln sollte am Dienstagnachmittag auslaufen. Außenamtssprecher Martin Jäger sagte, der Krisenstab bemühe sich intensiv um die Freilassung des Deutschen. Im Verteidigungsministerium wurden auch Informationen bestätigt, dass Bundeswehr-Tornados zur Lokalisierung der Geiselgruppe halfen. Nach Informationen des Tagesspiegel flogen die deutschen Aufklärungsmaschinen in Afghanistan nach Hinweisen aus verschiedenen Quellen einen gezielten Einsatz, um die Entführer und ihre Geisel mithilfe von Wärmebildsensoren und Kameras ausfindig zu machen. Echtzeitaufnahmen, die das Geschehen am Boden aus der Luft übertragen, sind mit der derzeitigen Ausstattung der Tornados dagegen nicht möglich.

In der Stadt Ghasni demonstrierten indes fast 1000 Menschen für die Freilassung der 23 südkoreanischen Geiseln, die einen Tag nach den beiden Deutschen verschleppt worden waren. Bei den Mitgliedern der christlichen Missionarsgruppe handelt es sich überwiegend um Frauen. Die Taliban verlangten im Gegenzug für ihre Freilassung die Freilassung von 23 ihrer Kämpfer. S.K./dpa/AFP

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