Politik : Aufgeladen - Wie Moskau in den nächsten Jahren Atompolitik machen will

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Russlands schwierige sowjetische Hinterlassenschaft: Radioaktive Abwässer wurden in Flüsse geleitet, im Norden verklappte die damalige Sowjetflotte Atommüll in der See. Zwei Fälle unter vielen. Und 15 000 Tonnen alter Brennelemente aus Atomkraftwerken und alten Unterseebooten lagern im Land. Russlands Zukunft - wird sie besser?

Das Land redet über die Steuern und die "Oligarchen", aber über die Ankündigung von Atomminister Jewgeni Adamow im Kabinett für die nächsten Jahrzehnte wird kaum ein Wort verloren. Dabei will Russland 14 Jahre nach dem GAU von Tschernobyl die Kernenergie wieder vorantreiben, um landesweit den Anteil des Atomstroms an der Energierzeugung von zwölf auf 33 Prozent zu steigern. Russlands Industrie, dies nur zum Vergleich, verbraucht sechsmal mehr Energie als die deutsche.

Sechs Atomkraftwerke sollen nun gebaut werden, die 15 neue Reaktoren bedeuten. Hinzu kommen sollen noch weitere Meiler in den bereits bestehenden Kraftwerken. Wie inwischen berichtet wird, wären es 23 insgesamt in den nächsten zwanzig Jahren, bis 2030 könnten es sogar 40 sein. Und dies, während in Deutschland gerade über den Atomausstieg verhandelt wird.

In Russland gibt es derzeit neun Kraftwerke mit 29 Reaktoren. 13 der aktiven Reaktoren sind in den siebziger Jahren entstanden. Die Lebensdauer der meisten Kraftwerke endet ungefähr 2005. Leichtwassereaktoren und Schnelle Brüter sollen Ersatz bieten. 30 Milliarden Dollar wären insgesamt an Investitionen nötig, für Bau neuer und Reparatur alter Reaktoren.

Woher das Geld kommen soll? Russland könnte Atomstrom an westliche Staaten liefern, könnte auch noch mehr Gas und Öl ausführen - und sich als Einfuhrland für Atommüll anbieten. Kurz: Als Endlager für atomare Brennstäbe. Und bei den möglichen Kunden wird auch Deutschland angegeben.

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