Aufmarsch : Randale bei Neonazi-Aufmärschen

Bei zwei Neonazi-Kundgebungungen in Leipzig und Worms ist es zu Ausschreitungen zwischen Rechten und Gegendemonstranten gekommen. In Leipzig ging die Polizei mit Wasserwerfern gegen eine Sitzblockade vor, der Aufmarsch der Neonazis wurde von den Sicherheitskräften abgebrochen.

Berlin (01.05.2005, 23:12 Uhr) - In Leipzig lieferten sich am Sonntagnachmittag 850 Rechtsextreme und 4000 linke Gegendemonstranten gewalttätige Auseinandersetzungen. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt, die Polizei nahm rund 102 Personen vorläufig fest. Da die Behörden trotz 2500 Polizisten die Sicherheit der Rechten nicht garantieren konnte, wurde der Marsch vorzeitig beendet.

Ursprünglich sollte der Neonazi-Marsch in Leipzig durch ein linksalternatives Stadtviertel führen. Am Hauptbahnhof lieferten sich Rechtsextreme schon am Mittag Rangeleien mit der Polizei, nachdem sich der Abmarsch wegen Auflagen und strengen Kontrollen verzögert hatte. Einige Gegendemonstranten zündeten Leuchtraketen. Die Polizei räumte daraufhin den Platz, es kam zu ersten Festnahmen. Später versuchten die Beamten eine Sitzblockade der linken Szene mit Wasserwerfern aufzulösen. Am Vormittag hatten rund 1500 Menschen friedlich gegen den Aufmarsch der Rechten protestiert, der durch ein linksalternatives Stadtviertel führen sollte.

Bereits am Samstagabend war es in Leipzig zu Zwischenfällen gekommen. Elf Linke wurden laut Polizei vorläufig festgenommen. Ein Beamter erlitt durch einen Steinwurf eine Platzwunde am Kopf. Rund 20 000 Menschen protestierten bei einem Konzert am Völkerschlachtdenkmal friedlich gegen rechte Gewalt.

Ohne größere Zwischenfälle verlief zunächst ein Aufmarsch von 170 Anhängern der rechtsextremen NPD im rheinland-pfälzischen Frankenthal. Ein massives Polizeiaufgebot hatte das Areal rund um den Bahnhof und eine fünf Kilometer lange Marschstrecke weiträumig abgesperrt. 2000 Menschen versammelten sich auf dem Frankenthaler Marktplatz zu einer Protestkundgebung.

Als die NPD-Anhänger mit einem Sonderzug ins benachbarten Worms weiterfuhren, wurde der Triebwagen des Zuges in Worms von Autonomen mit Steinen und gefüllten Flaschen beworfen. Rund 150 Neonazis gelang es dann später, bis zum Wormser Marktplatz vorzudringen. Nach Augenzeugenberichten wurden sie dort von Gegendemonstranten immer wieder mit Steinen und Flaschen beworfen. Ein Großaufgebot versuchte beide Gruppen getrennt zu halten. Mehrere Polizisten wurden durch Steinwürfe verletzt. Es gab zahlreiche Festnahmen.

Rund 5000 Menschen demonstrierten in Nürnberg gegen einen Neonazi- Aufmarsch. 4000 Menschen versammelten sich nach Angaben der Polizei zu einer DGB-Kundgebung in Nürnberg, während rund 300 Rechtsextreme durch die Stadt zogen. Weitere 1000 Menschen begleiteten den NPD- Aufmarsch in Rufweite. Mit mehreren Hundertschaften versuchte die Polizei ein Zusammentreffen beider Seiten zu verhindern. Zwei Demonstranten wurden vorläufig festgenommen, weil sie entgegen der Vorschriften vermummt waren. (tso)

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