Aufrüstung : 1,4 Billionen Dollar für Waffen

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut verzeichnet einen auffälligen Anstieg der Rüstungsausgaben in den vergangenen Jahren. Der Krieg gegen den Terror wird dabei weltweit als Legitimation herangeführt.

André Anwar

Stockholm - Die geschätzte Summe lautet 1, 464 Billionen: So hoch hat das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (Sipri) bei der Veröffentlichung seines Jahrbuchs am Montag die totalen weltweiten Rüstungsausgaben für 2008 angesetzt. Das sind vier Prozent mehr als noch 2007. 45 Prozent mehr sollen Staaten damit für Waffen ausgegeben haben als noch 1999. Die USA verbuchen davon mit 58 Prozent den größten Anteil. Sie steigerten ihr Militärbudget 2008 um knapp 10 Prozent auf 607 Milliarden Dollar. Mit einem Rüstungsbudget von umgerechnet 84,9 Milliarden Euro rückte China auf Platz zwei vor und verdrängt Großbritannien, das auf den vierten Platz fiel. Deutschland findet sich hinter Frankreich, Großbritannien und Russland auf dem sechsten Rang wieder. Die auffällig starke Stellung Chinas bei den Rüstungsausgaben führt das Institut auf den noch immer im Vergleich mit westlichen Standards stark unterentwickelten militärischen Apparat zurück.

Als einen der wichtigsten Gründe für den auffälligen Anstieg der Rüstungsausgaben in den vergangenen Jahren sehen die Stockholmer Analysten die neue Legitimation im Krieg gegen den Terror. „Vor allem die Einführung und Etablierung der Idee des Krieges gegen Terror durch die Bush-Administration hat die Rüstung weltweit wieder verstärkt in Mode gebracht und viele andere Länder dazu ermuntert, ihre Probleme aus einer stark militärischen Sicht zu sehen“, sagt Sipri-Forschungschef Sam Perlo-Freman. Vor allem die Kriege im Irak und in Afghanistan kosteten alleine die USA 903 Milliarden Dollar. „Es ist möglich, dass die Obama- Regierung nun eine Trendwende einleiten wird. Zumindest werden die Rüstungsausgaben nicht genauso stark ansteigen wie bisher“, hofft Perlo Freman. Inwieweit andere Staaten dem Beispiel dann folgen sei allerdings schwer abzuschätzen.

Das Jahrbuch präsentiert neben den Rüstungsausgaben auch eine Liste der 100 größten Waffenproduzenten mit Ausnahme der chinesischen Unternehmen. Laut Liste ist die amerikanische Boing Gesellschaft mit einem Verkauf von 30,5 Milliarden Dollar weiterhin der größte globale Waffenproduzent. Die 20 größten Waffenfirmen lagen 2007 in Europa oder den USA. 

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