Aufrüstung : Nordkorea testet Langstreckenrakete

Allen Warnungen zum Trotz hat Nordkorea eine Langstreckenrakete mit einer möglichen Reichweite bis zum Festland der USA getestet. Der UN-Sicherheitsrat tritt heute zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Washington - Nach Angaben der US-Armee ließ die stalinistische Führung in Pjöngjang insgesamt sechs Raketen testen, darunter auch eine Langstreckenrakete des Typs Taepodong-2. Diese sei jedoch schon 40 Sekunden nach dem Start ins Meer gestürzt. Ungeachtet des Misserfolgs fielen die Reaktionen scharf aus: Japan drohte mit wirtschaftlichen Sanktionen und versetzte seine Truppen in höhere Alarmbereitschaft. Auf seinen Antrag wurde für heute eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats einberufen.

Nach japanischen und US-Angaben begannen die Raketentests zum selben Zeitpunkt wie der Start der US-Raumfähre Discovery (20:30 Uhr MESZ). Wie auch die Taepodong-2 seien die anderen Raketen kürzerer und mittlerer Reichweite hunderte Kilometer vor der japanischen Küste ins Japanische Meer gestürzt. Die USA und Japan befürchten, Nordkorea könnte seine Langstreckenraketen eines Tages mit atomaren Sprengköpfen bestücken. Das Land hatte sich selbst bereits zur Atommacht erklärt. Mit dem Test der neuen Langstreckenrakete bricht Pjöngjang sein freiwilliges Moratorium von 1999.

Scharfe Proteste aus Japan

Japan protestierte scharf. Regierungssprecher Shinzo Abe nannte die Tests «ein schwerwiegendes Problem» für den Frieden und die Stabilität der Region. Japan werde dafür sorgen, dass der UN-Sicherheitsrat die geeigneten Maßnahmen ergreift. Außenminister Taro Aso drohte Pjöngjang mit wirtschaftlichen Sanktionen. Als ersten Schritt untersagte die Regierung allen nordkoreanischen Fähren für sechs Monate die Zufahrt in die japanischen Häfen. 1998 hatte Nordkorea schon einmal eine Langstreckenrakete über Japan hinweg in den Pazifik gefeuert und damit eine schwere Krise ausgelöst.

Die US-Regierung reagierte zunächst zurückhaltender. Der Nationale Sicherheitsberater Stephen Hadley bezeichnete die Tests als Provokation. Gleichzeitig aber sagte er, von einer Langstreckenrakete, die schon nach 40 Sekunden abstürzt, gehe keine Gefahr für die USA aus. Er vermute, angesichts des anhaltenden Atomstreits mit dem Iran versuche Nordkorea, mit den Tests wieder auf sich aufmerksam zu machen. Das nördliche US-Kommando erklärte, es sei auf den Raketentest vorbereitet gewesen. Die Abfangsysteme seien aktiviert, aber nicht eingesetzt worden, da rasch deutlich geworden sei, dass US-Gebiet nicht bedroht sei.

Südkorea rief das Nachbarland auf, alle Provokationen zu stoppen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Nordkorea sei allein für die Konsequenzen verantwortlich, sagte Suh Choo Suk, der Sicherheitsberater von Präsident Roh Moo Hyun, nach einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitskabinetts in Seoul. Die Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, Südkorea, Japan, China, Russland und den USA über Pjöngjangs Atomprogramm liegen derzeit auf Eis. Der US-Gesandte Christopher Hills wollte noch am Mittwoch nach Asien reisen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Auch Russland verurteilte die Raketentests scharf. Ein Vertreter des Außenministeriums bezeichnete sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Interfax als «Provokation», die die internationalen Bemühungen um einen Abbau der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel unterliefen. China äußerte sich zunächst nicht. (tso/AFP)

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