Politik : Aufruf gegen Steinigung im Iran

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Berlin - Der Anwalt der im Iran zum Tod durch Steinigung verurteilten Sakineh Mohammadi Ashtiani hat mehr internationale Aufmerksamkeit für den Fall angemahnt. „Ich bin davon überzeugt, dass solch ein Druck sie retten wird“, sagte Mohammed Mostafai am Dienstag dem Tagesspiegel. „Diese Aufmerksamkeit ist in der Geschichte der iranischen Republik einmalig.“ Er, der aus Iran flüchten musste, habe derzeit keinen Kontakt zu seiner Mandantin. Die Steinigung könne jeden Tag erfolgen. Deshalb sei es notwendig, den internationalen Druck aufrechtzuerhalten.

Die Verurteilte sitzt seit 2006 in Täbris im Gefängnis. Zunächst wurde die heute 43-Jährige wegen einer „unerlaubten Beziehung zu zwei Männern“ zu 99 Peitschenhieben verurteilt, das Urteil wurde bereits vollstreckt. Wegen „Ehebruchs“ wurde sie zusätzlich zum Tode durch Steinigen verurteilt. Später beschuldigte man sie noch zusätzlich der Beihilfe am Mord an ihrem Ehemann. Die Steinigung selbst aber ist nur wegen des Ehebruchs vorgesehen.

Der in Menschenrechtsfragen erfahrene Anwalt Mostafai hatte den Fall vor rund einem Jahr übernommen und in seinem Internet-Blog darüber berichtet. Internationale Medien nahmen die Geschichte auf, der Druck auf den Iran wächst seither stetig. Auch Mostafai selbst geriet ins Visier der iranischen Justiz. Er wurde verhört, seine Frau und sein Schwager wurden zwischenzeitlich verhaftet. Sie wurden erst wieder freigelassen, als Mostafai in die Türkei flüchtete und in Norwegen Asyl beantragte. Die jüngste Reaktion der iranischen Regierung im Fall Ashtiani war laut Nachrichtenagentur AFP ein Statement des Außenministeriums. „Unabhängige Nationen können nicht akzeptieren, dass andere Länder in ihre richterlichen Entscheidungen eingreifen“, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Empörung über das Urteil sei vor dem Hintergrund des Atomstreits zwischen dem Westen und dem Iran „politisch“ motiviert. Elisa Simantke

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