Politik : Aufsichtsrat für einen Tag

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Von Markus Feldenkirchen

Er habe den Hern Hunzinger damals, im Sommer 1999, gar nicht gekannt, sagt der SPD-Abgeordnete Reinhold Robbe. Aber plötzlich stand Moritz Hunzinger vor seiner Tür. Schnell hatten die beiden eine Abmachung getroffen und Robbe war Mitglied des Aufsichtsrats der Hunzinger Information AG. Ein rascher Entschluss, dafür, dass Robbe den Herrn Hunzinger ein paar Stunden vorher noch nicht gekannt hatte.

Dieser hatte Robbe gewaltig geschmeichelt, ihn einen „einflussreichen Abgeordneten“ genannt, der zu den „Pragmatikern“ der SPD gehöre und „wie berufen“ für seinen Aufsichtsrat sei. Robbe folgte Hans Martin Bury nach, der damals gerade als Minister in Schröders Kanzleramt wechselte. Bury habe „nichts Negatives“ berichtet und „schon gar keine Bedenken geäußert". Um so überraschter war Robbe am 1. September 1999, dem Tag seiner ersten Aufsichtsratssitzung, die seine letzte bleiben sollte. Die Zustände im Unternehmen und der Verlauf der Sitzung riefen bei Robbe „erhebliche und nicht auszuräumende Zweifel an der Seriösität des Herrn Hunzinger“ hervor. Nichts wie weg, dachte sich das Mitglied des Seeheimer Kreises. Und: „Wenn ich nur im Ansatz gewusst hätte, auf wen ich mich da einlasse, hätte ich gleich die Finger davon gelassen.“ So ganz hat Hunzinger den Kontakt zu seinem Ex-Aufsichtsrat jedoch nicht abgebrochen. Am Montagmorgen erreichte Robbe eine E-Mail. „Ist es nötig, dass Sie so schimpfen?“ fragt Hunzinger darin gleich zu Beginn. „Wir sind uns in Respekt begegnet, jetzt lande ich unversehens als „Kirsche im Cocktailglas einer unheilvollen Geschichte“, klagt der PR-Profi und endet mit einem Freispruch in eigener Sache: „Sie wissen doch, dass ich nichts Unrechtes getan habe in über 20 Jahren als kommunikative Plattform und Gastgeber für Politikinformation und Wirtschaft."

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