Politik : Aufstand der Helfer

Nach dem Tod eines UN-Mitarbeiters werfen seine Kollegen Israel in einem offenen Brief Schikane und Gewalt vor

Andrea Nüsse[Amman]

Schon lange kritisieren auch hochrangige UN-Vertreter privat ihre Behandlung durch die israelische Armee; jetzt haben 60 UN- Mitarbeiter aus den besetzten Palästinensergebieten zum ersten Mal ihre Vorwürfe gegen Israel in einem offenen Brief in Worte gefasst. Seit zwei Jahren sei man „zunehmend Schikanierung und Gewalt“ von Seiten der Armee ausgesetzt, „so dass der Schutz, den die blauen Buchstaben der UN gewähren sollen, ständig unterhöhlt wird“, heißt es dort. Die Regierung müsse Maßnahmen ergreifen, „um zu verhindern, dass UN-Mitarbeiter belästigt, geschlagen und getötet werden“. Anlass ist der Tod ihres britischen Kollegen Iain Hook, der am 22. November in Dschenin von einem israelischen Scharfschützen erschossen worden war.

Der 53-jährige Hook, der für das UN-Hilfswerk UNWRA den Wiederaufbau des von der Armee teilweise zerstörten Flüchtlingslagers in Dschenin leitete, wurde in den Rücken geschossen, während er innerhalb eines ummauerten UN-Komplexes telefonierte. Um den Komplex herum hatte es Schießereien gegeben, nachdem die israelische Armee in die Stadt einmarschiert war, um einen Gesuchten festzunehmen. Die Festnahme gelang drei Stunden bevor auf Hook geschossen wurde. Laut UNWRA ließ die Armee später einen Krankenwagen nicht zu dem Verletzen durch, so dass man ein Loch in die Außenmauer schlug, um Hook aus dem Gebäudekomplex zu bergen. Er verblutete aber in einem Krankenwagen.

Die Armee bestreitet indes, dass ein Krankenwagen aufgehalten wurde. Sie hatte zunächst auch erklärt, Hook sei außerhalb des UN-Komplexes erschossen worden – was sie zurücknehmen musste. Außerdem erklärte sie, sie sei aus den UN-Gebäuden beschossen worden. Die UNWRA wies dies in einer offiziellen Stellungnahme zurück.

Die Unterzeichner des offenen Briefes werfen Israel jetzt gezielte „Propaganda“ vor, um „den Ruf der UN zu schädigen, das Töten eines unbewaffneten Mannes zu entschuldigen und die falsche Beschuldigung, dass UNWRA Terroristen schützt, in der Öffentlichkeit zu verbreiten“. Die israelische Armee hingegen ist nach ihren Untersuchungen offenbar zu dem Schluss gekommen, dass ihre Soldaten richtig gehandelt haben. Das meldete am Donnerstag die Zeitung „Jediot Achronot“. Der Abschlussbericht wird für kommende Woche erwartet.

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